Katharina die Große. Theilung Polens. 809
teiung zerrüttet, hatte schon länger seinen Einfluß verloren. Nochohnmächtiger war Polen, und die Pforte versank in fortwäh-rend größere Indolenz.
Am wenigsten befestigt, weil noch auf allzu kleiner Basis ruhend,war unter den fünf großen Mächten jene Preußens. Daherfühlte auch Friedrich, sich erinnernd, wie nahe er mehr alseinmal seinem Verderben gewesen, das Bedürfniß eines starken undzuverläßigcn Verbündeten. Mißvergnügt mit England, welchesam Schluß des Krieges ihm seinen Beistand entzogen, und Frank-reich als dem Verbündeten Oestreichs gram, wandte er sichan Rußland und schloß mit dieser Macht eine Defensiv - Allianzauf acht Jahre >), welche das Verhängniß sehr folgenreich machte.
§. 2 . ,
Dänische Geschichte.
Seit den schweren Bedrängnissen, welche Dänemark imgroßen Nordischen Kriege erlitten, war das System seiner Regier-ung friedlich gewesen. Aber nur langsam schritt die Heilungseiner Wunden voran, da die hohe Staatsschuld drückte, undmanche Ungunst der Umstände den Planen entgegen stand, welchezur Erhebung des Wohlstandes, zumal des auswärtigen Handels,entworfen wurden.
Eine plözliche Kriegsgefahr kam über das Reich, als nach demTod der russischen Kaiserin Elisabeth -) ihr Nachfolger Peter III.,Prinz von Holstein-Gottorp, den alten Hader seines Hausesmit dem königlich-dänischen erneuernd, den Antheil an Schles-wig, welchen jenes vor 1713 besessen, wieder zurückforderte,auch Genugthuung für alle Unbilden zu nehmen drohte, welcheGottorp ehedessen von Seite Dänemarks erfahren. Schon rückteein ansehnliches russisches Heer aus Pommern — woselbst esgegen Preußen gekämpft hatte — nachMecklenbürg. Däne-mark stellte seine Kriegsmacht in Holstein auf. Da wurdeZum Glück desselben Peter III. durch eine plözliche Revolutionvom Throne gestürzt, und Katharina II., seine Gemahlin undNachfolgerin, die ihn gestürzt hatte, verließ auch hier, wie inRücksicht Preußens, sein System. Der Friede dauerte fort, ja
1) 1764. 11. April.
2) 1762.