312 Dreizehntes Kap. Der Norden und Osten.
Uebermuth der Aristokraten reizte und berechtigte ihn dazu. Denngleich auf dem ersten Reichstag vermehrte der Adel die Beschrän-kung der Königsmacht durch neue Zusäze, welche Gustav ohneWiderstreben genehmigte, weil er den innern Frieden für nöthighielt zum Heil des Volkes. Aber bald bemerkte er, daß dieAristokraten ihre Macht nur zu selbstsüchtigen Zwecken mißbrauch-ten, und für gemeinnüzige Sorgen weder Lust noch Kräfte hatten.
Da erbarmte er sich des preisgegebenen Volkes, und erdrücktedurch glückliche Uebcrraschuug die Gewalt des Reichsrathes undder aristokratischen Stände. Der Kapitän Hellichius in Chri-stianstadt erklärte sich zuerst gegen dieselben; der König, starkdurch die Treue der Garden und der Bürgerschaft von Stock-holm, überwältigte schnell und ohne alles Blutvergießen dietrozigen Oligarchen und erhielt von den Zitternden den Schwuraus die ihnen neu vorgelegte Constitution ').
Mit weiser Mäßigung begnügte sich der König, obschon erdie Uueingeschräilktheit hätte erobern mögen, mit denjenigen Rech-ten, welche vor der Revolution von 1680 der Krone zustanden.Die gesezgebcnde Gewalt sollte den Ständen (getheilt in Adel,Geistlichkeit, Bürger und Bauern) gebühren; der König jedochbehielt das Recht des Vorschlags, der Bestätigung und der Ver-werfung. Dann ward ihm die gesezvollstreckende Gewalt und dasRecht der Acmterbesezung uneingeschränkt verliehen; der Reichs-rath wurde verwandelt in einen königlichen Rath. Doch sollte dieeinstimmige Meinung der Räthe für den König verbindlich seyn.Auch sollte ohne Bewilligung der Stände der König keinenOffensiv-Krieg führen können.
Wunderschnell erblühte wieder, nach also gebrochenem Aristo-kraten-Joch, Schwedens Kraft und Glück. Aber die gedemüthig-ten Oligarchen brüteten insgeheim über Planen der Rache.
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Rußland. Kathaeiua's 11. Thronbesteigung.
In Rußland war, nach dem Tode der Kaiserin Elisabeth,ihr Neffe, Karl Peter Ulrich, Herzog v. Holstein Gottorp,
1) 19. Aug. 1772.