332 Dreizehntes Kap. Der Norden und Osten.
S. 11.
Pugatschew. Friede zu Kutschuk-Kainardschi.
Während dieser Verhandlungen dauerte der Krieg Rußlandsgegen die Pforte fort. Zwei Friedenskongresse, einer zu Fok-schani, der andere zu Bucharest '), waren ohne Erfolg ge-blieben. Rußland haßte den Einfluß eines Vermittlers, undOestreichs früher der Pforte freundlich zugewandte Gesinnungwar durch die Projekte der Theilung Polens zu einer veränder-ten Richtung gebracht worden. Der Divan hatte jezt keinen aus-wärtigen Beistand mehr. Doch wurde der Krieg 1773 ohne Ent-scheidung fortgeführt, auch mit geringerem Nachdruck von SeiteRußlands, da die Empörung des Donischen Kosaken, Jeme-lian Pugatschew, die Streitkräfte der Kaiserin nach den Pro-vinzen am Jaik und an der Wolga lenkte. Dieser Empörer,der sich für Kaiser Peter III. ausgab, bethörte die Leichtgläubig-keit oder gewann die Raublust vieler Horden und Stämme um-her °). Zumal die Kosaken, verschiedenen Namens und Ur-sprungs, eilten schaarenweis herbei, den gesezlosen Haufen zu ver-stärken; auch Tartarische Stämme, vor allen die kriegerischenBaschkiren, fielen ihm zu. Viele, welche mißvergnügt mit Ka-tharinens Verwaltung oder überhaupt mit der russischen Herrschaftwaren, freuten sich des Vorwandes zum Abfall. Aus einem an-fangs verachteten Räuberhaufen wurde bald eine Heerschaar, end-lich ein Heer. Die ersten Erfolge hatten Zutrauen zu Pugatschew'sFührung erweckt, und der Schrecken, der vor dem Grausamenherging (die Häuptlinge der Truppen, die wider ihn stritten, ließer aufhängen, wenn sie in seine Hände fielen), lähmte den Muthdes Widerstandes. Also verbreitete sich der Aufruhr durch dieweite Statthalterschaft Orenburg, durch Kasan und über diesibirische Grenze. Viele kleinere Städte und Festen wurden er-obert, Orenburg durch eine langwierige Belagerung geängstigt,Kasan erobert und verbrannt. Der Schrecken und die Gefahrgingen bis Moskau.
Die Kaiserin, bei der ersten Kunde von solcher Empörung,
1) Aug. und Okt. 1772.
2) Sept. 1773.