Band 
Erster Band.
Seite
32
JPEG-Download
 

32

Jahrhunderte lang die Unabhängigkeit der Throne und die selbst-ständige Ruhe der Völker nur zu sehr erschütterte. Auch fürverschiedene Zweige öffentlichen Unterrichtes und für Ordnungim Kirchenwesen sorgte er, legte Schulen an, und noch in sei-nem Alter soll er das Schreiben gelernt haben.

Als kluger Regent bediente er sich guter Gehülfen, die aberkeinen entscheidenden Einfluß auf ihn ausübten. Seines innernWerthes bewußt und immer nur auf das Große bedacht, lebte ersehr einfach; und weil er wußte, daß bey schlechter Haushaltung ^für Hohe und Niedere selten Unabhängigkeit vorhanden ist, auchdas Beyspiel früherer Vorgänger dieß belehrend gezeigt hatte,hielt er es nicht für unwerth, sich von der Verwaltung seinerGüter auch im Kleinen Rechenschaft geben zu lassen.

Auch unserer Gegenden gedenkt seine Geschichte. In Rhätien,wo seit langem ein einheimischer Stamm bald die weltliche, balddie geistliche Vorsteherschaft ausgeübt hatte, machte er den Bi-schof zum Rector (Statthalter). Zu Zürich hielt er sich biswei-len auf und beschenkte das Münster; und wir lesen, daß ausdem Thurgau, welches bis an die Reuß sich erstreckte, Männerseine Feldzüge begleiteten, 'deren Stärke und Tapferkeit die all-gemeine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Seinem Sohne Ludwig, den man den Frommen nannte,ungeachtet die Blendung und der Tod seines Neffen, Bernhard,einen ^bleibenden Schatten auf seine Regierung werfen, hinterließer ein Reich, das weit besser geordnet und stärker war, als erselbst eS angetreten hatte. Aber Unschlüffigkeit, übereilte Ver-theilungcn des Reiches, durch welche Ludwig, statt künftigenUneinigkeiten unter seinen Söhnen vorzubiegen, die bittersten Awi-stigkeiten veranlaßte, der Einfluß einer selbstsüchtigen Gemahlinn,Hingebung unter die Leitung der Geistlichkeit und mißglückte Ver-suche, sich davon wieder los zu machen, beraubten ihn seinerMacht. Er that Buße, wurde von seinen Söhnen in ein Klo-ster gebracht, zwar durch den zweyten Sohn, Ludwig, wiederauf den Thron gehoben ; aber sein Ansehen war verloren; er