Band 
Zweyter Band.
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verbreitete sich um so viel mehr, weil es einen Reiz der Neuheiterhielt und ergriff viele der bessern Köpfe, von denen mehrerezur nähmlichen Zeit den Pietismus predigten, das tausendjährig»Reich verkündigten und Alchemie trieben. Die Nachlässigkeitvieler Geistlichen in ihrem Berufe und ihre »»geistliche Lebens-weise entfernte das Volk von ihnen, und führte dasselbe demPietismus zu, der durch schwärmerische Ausbrüche die öffentlicheRuhe zu stören, und den vormahligen Erscheinungen der Wieder-täufer, die sich nie verloren hatten, ähnlich zu werden begann.Das Besorgniß, die Zeiten der Wiedertäufer sich wieder erneuernzu sehen, beunruhigte die Regierung von Bern so sehr, daß sie«ine allgemeine Huldigung einnehmen ließ und alle, welche dieEidesleistung verweigerten, aus ihren Landen verwies. MehrereJahre später wurden andere beharrliche Anhänger des Pietismus,in Amerika abgeführt. Aber die strengen Maßregeln vertilgten ihnnicht, er dauerte bald mit mehr, bald mit weniger Oeffentlichkeitfort, und beschäftigte vielfach auch die Obrigkeiten und die Geist-lichkeit der östlichen Cantone. Unterm 4 Juni i7oo geboth Zü-rich, baß man sich aller neusüchtigen Autoren-Phrasen und un-gewohnter Redensarten gänzlich entmi'ißige, sich sowohl der theo-logischen, als der philosophischen Streitigkeiten weder in Deutsch-land, noch in den Niederlanden annehme oder parteye, u.s. w.—S?v6 schaffte Genf die Eonsensus-Formel ab, und erhielt dafüreine Beglückwünschung von dem Könige in Preußen; zu ZürichUnd Bern dauerte der Zwang hingegen fort. Manche, zum Theiltalentvolle Männer, welche sich dem Consensus widersetzten, oderder Schwärmerey beschuldigt wurden, verloren ihre Stellen.Allein man übersah um deßwillen die Gebrechen der Geistlichkeit,des Kirchen- und Schulwesens nicht ganz. Zürich verordneteä?n9 zum Zwecke einer Verbesserung eine Commission aus Welt-lichen mit Ausschließung der Geistlichen G). Die Reibungen

G) Der nachherige Bürgermeister Caspar Escher schrieb an sei-nen Vater: »ES fehlt sicher nicht so fast a» dem Fleiße der Schü-II. 17