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Statistik des Bodens.
Aus den vorenthaltenen Angaben lässt sich schlossen dass im Jahre 1852höchstens 3,150000 Zentner Guano nach Europa gelangt sind; gegen etwa 80000Ztr. im Jahre 1843.
Peruanischer Guano enthält 16 pZt. Ammoniak, der für den Boden sechs-mal soviel "Werth ist als der phosphorsaure Kalk, 2 7i Mal soviel als die Potasche.In London wird aber die Verfälschung des Guano in grossem Umfangebetrieben. Unlängst wurden 3000 bis 4000 Zent, einer Mischung, welche inLiverpool verfertigt war, in dem Londoner Hafen mit der Bezeichnung „ausValparaiso“ gelandet und zu etwa 7 L. pr. 20 Ztr. verkauft, obschon darin75 pZt. Gips und kaum ein Titelelien Ammoniak enthalten war. Anderswo wer-den Austersehalen mit Knochen vermahlen, um dann als „echter Guano“ ver-kauft zu werden. Fünfzig andere Sachen werden zu demselben Zwecke verwandtund in die verschiedenen Theile des Landes verschickt. Austerschalen enthaltenaber eine grosse Masse kohlensauren Kalk, und ehe die Schwefelsäure mit denKnochen in Berührung kommt, greift sie zuerst die Austersehalen an, aufwelche sie viel leichter einwirkt. Jede 100 Pfund Austerschalen erfordern we-nigstens eia gleiches Gewicht Säure, welche auf sie einwirken muss, bevor aufdie Knochen irgend eine Wirkung ausgeübt werden kann, so dass also ihr Vorhan-densein sehr schädlich ist. Die Anstalten zur Herstellung verfälschten Düngerssind in England gross und zahlreich. Es gibt Plätze zur Herstellung von Essex-mergel, Gravesendkalk u. s. w., und die Verfälschung ist in ein solches Systemgebracht, dass es schwer ist, aus verschiedenen Proben die guten und die schlech-ten auszusuchen. So wurde z. B. neulich bei einer Versammlung des Wollklubsvon der grossen Mehrheit eine Probe* welche 50 pZt. weissen Sand enthieltganz entschieden für den besten Guano erklärt.
Der Preis des Guano ist jetzt, z. B. für echten Peruanischen; 100 Pfd.Köln, einsch. Säcke, frei ab Harburg 3 Thlr. 8 gGr. Kour.; frei ab Hanno-ver 3 Thlr. 14 gGr.; in Frankfurt a. M. 1 Ztr. 7 Fl. 12 bis 24 Kr.
Von der grossen Zahl der Berichte über Guano-Untersuchungenund Verwendung, welche in allen landwirtschaftlichen Zeitschriften sichfinden, theile ich beispielsweise folgende mit: Zeitschr. für deutsche Landwirthe1850, S. 318: 1851 S„ 321; Wilda Landw. Zent. Bl., 1853, S. 27; Zeller,Ztschr. für die landw. Vereine des Grosslith. Hessen, 1852, S. 388; Engel Jahrb.für Statistik und Staatswissenschaft des Königreich. Sachsen, 1853 S. 292.Zu den frühsten selbstständigen Schriften über Düngungs-Versuche gehört Jobst,über dem Guano, Stuttgart 1844 und Dr. Böhms Flugschrift, Innsbruck 1844;eine sehr verbreitete Darstellung über den Peruanischen Guano von Nesbit, er-schien 1853 in 14ter Auflage; sie ist ins Deutsche vop Schmidt, ins Franzö-siche von de Lagarde-Montlezun übertragen, Stöckhart hat (Leipzig 1851) ein„Guanobüchlein“ herausgegeben.
Die obigen Einfuhrnach Weisungen ergeben, dass, mit Ausnahme von Eng-land, die Guanoverwendung noch keineswegs sehr verbreitet ist. Theurer Preisund Verfälschungen scheinen Hauptursachen davon za sehn