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Deutschland und das uebrige Europa : Handbuch der Bodens-, Bevölkerungs-, Erwerbs- und Verkehrs-Statistik; des Staatshaushalts und der Streitmacht / in vergleichender Darstellung vom Dr. Freih. Fr.W. v. Reden
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Wohnplätze, Wohngebäude, Wohnungen.

In dieser Tafel sind viele Lücken und manche Unrichtigkeiten und dochbesitzt fast keine der betreffenden Regierungen bessere Nachrichten. Es gibt wolkeinen schlagenderen Beweis für die Mängel der amtlichen Statistik in einigenStaaten Deutschlands, als den, dass man die Zahl und Eigenschaften seiner Ort-schaften und Wohngebäude nicht kennt. Es scheint, als ob die DeutschenStaaten nahe an 3000 Städte und etwa 3850 Marktflecken enthalten, alsoauf 3,17 □Meile davon durchschnittl. 1 und 168000 Dorfschaften; mithin (ohnedie kleineren) 174850 Wohnplätze, was für 1 nMeile des Flächengehaltsim gr. Durehschn. 8,05 macht. Man kann die Gesammtzahl der Wohngebäudezu 9,660000 bis 9,670000 berechnen, was für den gr. Durchsch. 1 □Meile445 macht; welche zur Gesammtb e völk erung sich verhalten würden, wie 1zu 7,50. Wenn man die ganze Versicherungs-Summe (nach schätzungs-weiser Ergänzung der Lücken) zu 3800,000000 Thlr. annimmt; so kann wolohne Uebertreibung der Gesammtwerth aller Gebäude in den Deut-schen Staaten zu 5066,000000 Thlrn. Kour. berechnet werden.

Alle diese Verhältnisszalilen erleiden bei und in den einzelnen Staatengrosse Abweichungen, wie dieses wegen der bedeutenden Verschiedenheit ihrerVerhältnisse sehr begreiflich ist. Diese Abweichungen habe ich durch die Spal-ten 7, 8, 9, 10 und 12 naehgewiesen und wenn man bei derartigen Untersuchungendie Boden-Bevölkerungs-Ertrags- und Hausthier-Tafeln (oben Seite 3,82, 106,u. s. w.) mit zu Rathe zieht; so ergibt sich Stoff für eine Menge der wich-tigsten Fragen, wie er noch niemals dargeboten wurde. Um nur, als Anleitungdazu, einige Beispiele hervorzuheben, bemerke ich, dass eine Vergleichungder Spalten 7 bis 10 mit den entspr. Spalten der Boden- und Bevölkerungs-Tafel, der Staatsverwaltung wesentliche Aufschlüsse zur richtigen Beurtheilungder Fragen über: Bodenbenutzung, Ernährungsfähigkeit, Ernährungsweise, Aus-wanderung u. s. w., zu geben vermag; wenn man deren Ziffern unter einan-der und mit den entsprechenden Angaben für andere Staatentheile oder Staatenvergleicht. Zur Aufklärung ferner über die Fragen der Versicherung gegen Brand-schaden dient eine (bei grösseren Staaten mehr in die Einzelheiten zu verfolgende)Vergleichung der Spalten 7 und 12. Die unverhältnissmässig niedrige Ver-sicherung der Gebäude z. B. im Oesterreichischen Kaiserstaat, ergibt sich dar-aus, dass dessen Antheil an der Gesammtzahl der Wohngebäude 55)% be-trägt, sein Antheil dagegen an der gesummten Versicherungssumme nur 13)%.Im Preussischen Staate findet das entgegengesetzte Verhäitniss Statt, denn sein An-theil an der Wohngebäudezahl ist 22)%, an der Versicherungssumme aber 33)%.

Auf diese und ähnliche Weise lassen die wichtigsten Grundlagen für Ge-setzgebungs- oder Verwaltungs-Masregeln sich erlangen, wenn man die erfor-derlichen Ziffern besitzt und zu benutzen versteht. Die Benutzung in allen Ein-zelheiten und nach allen Richtungen hin, ist Geschäft derStaats- undVolkswirtschaft und ich erlaube mir deren Vertretern recht dringend zu em-pfehlen, damit sich zu beschäftigen; um ihrerseits den Regierungen undgesetzgebenden Gewalten das von der Statistik gesammelte, gesichtete,geordnete, vergleichend zusammengestellte Material und die von der Statistikdaraus abgeleiteten allgemeinen Grundsätze und Thatsachen in allenEinzelheiten zu verarbeiten und dann zur Benutzung darzubieten.