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Deutschland und das uebrige Europa : Handbuch der Bodens-, Bevölkerungs-, Erwerbs- und Verkehrs-Statistik; des Staatshaushalts und der Streitmacht / in vergleichender Darstellung vom Dr. Freih. Fr.W. v. Reden
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Gewinnung und Verarbeitung der Seide.

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Russland. Nach annähernder Schätzung beträgt der jährliche Be darf anRoh- Seide in Russland jetzt nicht weniger als 49 bis 50000 Pud. Diese ganzeMenge wird zur Herstellung seidener Waaren gebraucht, welche fast ausschliess-lich im Innern des Reichs abgesetzt werden. Die Seidenfabrikation ist, unterdem Schutze des Prohibitivsystems, in Russland schon im vergangenen Jahr-hundert eingeführt und machte seitdem allerdings Fortschritte. Ueber die Stufeder Entwickelung in der neueren Zeit lässt sich kein richtiges Urtbeil fällen,wenn man nur die Einfuhr fremder Seide in Betracht zieht, denn das heimischeBedürfniss von diesem Rohstoffe wird gegenwärtig fast durch die KaukasischeSeide befriedigt, welche zur Fabrikation ordinärer seidener und halbseidenerWaaren dient, die in früheren Jahren aus eingeführter Seide verfertigt wurden.Der Absatz von Kaukasischer Seide an die Fabriken Moskwa’s erstrecktesich im Jahre 1822 auf 14000 Pud, 1840 auf 17000 Pud und im Jahre 1845bezog Russland schon über 20000 Pud von dort. Der gesammte Seidenertragvon Transkaukasien kann jetzt auf 35000 Pud geschätzt werden, wovon etwa2 /3 nach dem Europäischen Russland gehen; der Rest aber theils im Lande ver-braucht, theils (3566 Pud im Jahresdurchschnitt 1848 — 50) über Redut-Kaleund Ach-Oglan ausgeführt wird. Für die beste Seide wird die von Schekin gehal-ten, dann die von Schirwan; die schlechtesten Sorten kommen von Karabag undKuba am Kaspischen Meer. Die beste Rohseide wird zu 100 bis 150 RubelSilber, geringere zu 60 bis 65, die schlechteste zu 50 bis 55 Rub. Silber für1 Pud verkauft. Die sehr mangelhafte Behandlung der Maulbeerbäume, Würmerund Seide, namentlich die schlechte Abwicklung der Kokons und Beimischungvon Flockseide, sind Ursachen dieses geringen Preises. Indess haben die unaus-gesetzten Bemühungen der Regierung, der Transkaukasischen Landwirthschaft-und Kaukasischen (St. Petersburger-) Seidenbau-Gesellschaft schon Vieles ge-bessert. Am nothwendigsten ist, den Seidenzüchtern das Haspeln aus den Händenzu nehmen und darauf wird kräftig hingearbeitet (Kawkas, durch Handels-Zei-tung 1852, Nro. 81).

Sonstige Seidenzuchtdistrikte im Russischen Reiche sind: dieGouvernements Taurien, Jekaterinoslaw, Cherson, Bessarabien, Podolien, Kiewin Südrussland, woselbst der Ertrag der Rohseide im Jahre 1851: 348 Pud 5Pfund 9 Loth war. Bei weitem am mehrsten dazu tragen die Deutschen Kolo-nien bei, welche bereits über 3 Mill. Maulbeerbäume besitzen und so ausser-ordentlich thätig sind, dass ihr Erzeugniss von 3728 Pfund im Jahre 1849 auf5664 Pfund in 1850 und 10827 Pfund in 1851 stieg. Im letzteren Jahre galtein Tschetwert Kokons 2 1 /ä bis 3 V 2 Rub. Silber; 1 Pfund Rohseide aber 47-tbis 4 V 2 Rub. Silb. (St. Petersburger Handels-Zeitung 1852, Okt. 8.).—Auch in Klein-Russland, z. B. den Gouvernements Poltawa und Tschernigow; um Odessa; in denKavallerie - Kolonien; im Gouvernement Moskau; im Gouvernement Astrachanu. s. w. wird Seidezucht getrieben. Indessen darf man den daraus bis jetzt her-vorgehenden Ertrag nicht höher als 280 bis 290 Pud veranschlagen und dann