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Veredelnde Erwerbe.
grenzen verboten); geschmiedetes und gewalztes Eisen ebenso. — Die Ausfuhrvon Eisen aus Russland und Polen betrug 1851: 812268, 1852: 771309 Pud.
V. Königstaat Belgien.
Gleich Grossbritannien und fast allen übrigen Staaten des Festlandes vonEuropa, betrieb auch Belgien schon in früheren Jahrhunderten die Eisenerzeu-gung bei Holzkohlen. Der verhältnissmässig grössere Holzreichthum seiner öst-lichen Provinzen und der geringere Bedarf für den Schiff- und Häuserbau, Hessenindess hier die Nothwendigkeit eines Uebergangs auf Kokes weit später hervor-treten als in England und gestatten noch jetzt, in nicht unbeträchtlichem Umfangedie Eisenerzeugung bei Holzkohlen neben der bei Steinkohlen, fortzusetzen. Diegrossen Grundbesitzer von Waldflächen in dem Belgischen Theile von Liitzem-burg und in Namur betrachten (ähnlich wie in manchen Gegenden Schlesiens,in Baden u. s. w.) die Eisenerzeugung nur als ein Mittel, ihr Holz zu verwerthen,dessen Absatz zu sonstigen Verwendungen theils durch die Frachten, theils durchdie Konkurrenz mineralischer Brennstoffe erschwert ist. Die Holzkohleneisener-zeugung würde sich noch weit vortheilhafter halten können, wenn in den holz-reicheren Gegenden bessere Arten von Eisensteinen vorkämen, was leider seltender Fall ist. Die Erze Belgiens bestehen zu einem grossen Theile aus jenerGattung von Brauneisensteinen, die man Alluvialerze nennt. Die Hauptlager sindzwischen Maas und Sambre. Jedoch werden immer mehr Thon- und selbst Roth-eisensteinlager aufgeschlossen. Die Erze kommen zum Tlieil, insbesondere in derProvinz Lüttich, ziemlich weit von den Steinkohlengegenden vor, welches jedochdie bewunderungswürdigen Verbindungswege Belgiens ausgleichen. Die Verwen-dung der Steinkohlen für Roheisen- und Stabeisenerzeung, worauf die gegen-wärtige Grösse und die ganze Zukunft der Belgischen Eisenindustrie beruht, wurdedurch den berühmten John Cockerill in Aufnahme gebracht, dessen Unter-nehmungsgeist der damalige König Wilhelm mit bedeutenden Kapitalien zu Hülfekam. Im Jahre 1S21 wurde in Seraing der erste Kokeshohofen erbaut und biszum Jahr 1830 w aren in der Näiie von Charleroi, Lüttich und Namur 10 der-selben, nebst mehreren Puddlingwerken, in Betrieb gekommen. Das Kohlenbeckender Maas ist überhaupt der Sitz der neuen Belgischen Eisenindustrie; ein Theilder Anlagen beiimlet sich in der Gegend von Charleroi, ein anderer hei Lüttich.
Durch die Ereignisse von 1830 in ihrem Fortschritte unterbrochen, nahmdie Eisenindustrie insbesondere in den Jahren 1835 und 1836 einen neuen Auf-schwung, worauf auch hier wie in England die Eisenbahnanlagen den günstigstenEinfluss übten; demnächst auch die Banken und die Gesetze über industrielle,gesellschaftliche Verbindungen. Fast die ganze Belgische Eisenindustrie, nament-lich die auf Steinkohlen verbrauch gegründete, ist in den Händen grosser Aktien-gesellschaften. Das Gesellschaftskapital einzelner Vereine, z. B. der Soeiete deMarcinelle et Couillet beträgt bis zu 12 Millionen Franken. Ueberhaupt standendie Belgischen Hüttenwerke bis jetzt an Grossartigkeit den Englischen am nächsten.(Oechelhäuser a. &. 0., S. 150).