Zuckerfabrikation.
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Der Zuckerpflanzenanbau im BritischenOstindien ist neu. Vor 10 Jah-ren lieferte es kaum 450000 Zentner zur Ausfuhr; jetzt versorgt es nicht nurbenachbarte Theile von Asien und Australien, sondern kann auch bereits lVsMill. Ztr. nach Europa senden. — Eine wahrhaft riesige Zunahme hat die Zu-ckererzeugung der Niederländischen Besitzungen in Ostindien erfahrenund dadurch den entscheidendsten Einfluss auf den Handel und namentlich diePreise des Zuckers ausgeübt. Im Jahresdurchschnitt von 1825/27 betrug die Aus-fuhr nur 58000 Ztr., 1835/37 schon 680000 Ztr., 1845/47: 1,735000 Zentner.Der Höhepunkt war 1849 mit 2,062000 Ztr., denn seitdem ist die Ausfuhr gerin-ger geworden. — Die Zuckerpflanzungen auf den Philippinen scheinen sichzwar vermehrt zu haben; jedoch dürften dessen ungeachtet ihre Sendungen nachEuropa abnehmen, weil ein immer stärkerer Abzug nach dem Festlande Austra-lien Statt findet. — Die Britische Besitzung Mauritius, welche (nach denin obiger Tafel enthaltenen Ziffern), mit Zuhülfenahme Ostindischer Arbeiter unddurch Guanodüngung rasche Fortschritte in der Zuckerzeugung machte; scheintjetz in Stillstand geratlien. — Die Französische Insel Bourbon hat imJahresdurchschnitt von 1837/39: 228000, 1844/46: 255000, 1850/51 hingegennur 190513 metrische Ztr. Rohzucker nach Frankreich gesandt; ihr Verfall istalso noch nicht gehemmt. — Ueberblickt man diese aussereuropäische Zucker-erzeugung früherer Zeitabschnitte mit der Gegenwart vergleichend: so drängt sichdie Gewissheit auf, dass der Zuckerverbrauch ungleich raschere Fort-schritte macht als die aussereuropäische Z uckererzeugung. Selbstwenn Brasilien und andere Staaten von Südamerika ihre Pflanzungen vermeh-ren (was aber die dortigen politischen Verhältnisse nicht in Aussicht stellen);selbst wenn es dem Britischen Westindien gelänge, wohlfeilen Zucker ohne Skla-ven zu bauen; selbst wenn der Zuckerahorn in den Vereinigten Staaten einengrösseren Theil des Bedarfs decken wird als bisher; wenn ferner auch im Nie-derländischen Ostindien wieder Zunahme Statt finden sollte; wenn sogar neueLänder, z. B. die Sandwich-Inseln, mit Erfolg in die Reihe der zuckerausfüh-renden Staaten träten; — also sogar eine hieraus sich ergebende Erweiterungder Zuckersendungen nach Europa vorausgesetzt, — würde dennoch Alles nichtgenügen, wenn nicht die eigjene Europäische Rohzuckererzeugung auchfernerhin einen raschen und bedeutenden Aufschwung nimmt. Hierdurch alleinschon ist die Nothwendigkeit der Rübenzucker-Fabrikation fürEuropa nachgewiesen, auf deren vielseitigen Nutzen ich weiter unten zurück-komme. Rathsam ferner ist, mit dem Zucker-Ahorn sich zu beschäftigen,aus welchem schon 1850 in den Vereinigten Staaten 34 Mill. Pfd. Zucker ge-wonnen wurden, ohne 12 Mill. Pfd. der Indianer im Missisippithale und amoberen See. Diese Zuckerpflanze soll für Mitteleuropa vollkommen geeignet undmit dem Zuckerrohr gleich ertragreich sein.
Die Entwicklung der Rübenzucker-Industrie des Deut-schen Zollvereins ergiebt nachstehende vergleichende Zusammenstellung