Tabak- nnd Zigarren-Fabrikation.
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Der Tabaksbau ist im nördlichen Theile des Zollvereins, seit dessenBildung, seinem Umfange nach eher rtick- als vorgeschritten, denn in Preussenwar die davon versteuerte Fläche schon im Jahre 1827: 39141 Morgen,1832: 39225 Morgen, 1835: 39205 Morgen. Ursachen dieser (bei der ohneZweifel starken Zunahme des Verbrauchs doppelt auffallenden) Erscheinung sind:die vermehrte Zufuhr der süddeutschen und der ausländischen Rohtabake; fernerin einigen Landestheilen, dass der mehr lohnende Anbau der Runkelrüben undKartoffeln zur Zucker- und Spiritus-Fabrikation den Tabak etwas verdrängt hat.Hierzu mag hauptsächlich mitgewirkt haben, dass (auch abgesehen von wuche-rischen Lieferungsverträgen) die Verkaufspreise grossen Schwankungen unter-worfen waren und nur ausnahmsweise günstig genannt werden konnten, wie dennz. B. in Stettin der Zentner roher Landtabak, welcher in den Jahren 1842 und1849: 6 bis 7 Tlialer kostete, in der Zwischenzeit nur zu 3 bis 5 Thlr. ver-kauft werden konnte. Im südwestlichen Theile des Zollvereins dagegen hatder Tabaksanbau einen bedeutenden Aufschwung genommen, sowohl in der ßayern-seben und Badischen Pfalz, als im Grossherzogthum Hessen, und die früherenPreise von 8 bis 12 Fl. sind auf 15 bis 20, für die feinsten Sorten sogar bisauf 50 FI. für den Zentner gestiegen. Ursache und Wirkung hiervon sind vor-zugsweise die Verbesserungen im Anbau, in Sorten und Behandlung, welche dens. g. Pfälzer Tabak zu einem sehr gesuchten Ausfuhrartikel und dann auch zumGegenstände einer lohnenderen Verwendung im Lande gemacht haben. Die be-sonders grosse Länge und Breite der Pfälzer Blätter empfiehlt diesen Tabak sosehr als Zigarren-Deckblatt, dass er, ausser nach dem nördlichen Deutschland,in bedeutenden Mengen nach England (20000 Ztr.), den Niederlanden (25000),Spanien (30000), Italien (15000), der Schweiz (15000), Algier (5000), ja selbstnach Nordamerika ausgeführt wird. Die durchschnittlichen Erzeugungskos-ten desselben sind für 1 Badenschen Zentner Rohtabak mit Bodenrente undSteuer auf 10 — 11 Fl. rhein, oder etwa 6 Thlr. Kour. zu berechnen, wonachallerdings schon bei den gewöhnlichen Sorten ein guter, bei den feineren Artenaber ein vorzüglicher Gewinn erzielt wird. (Die landwirthschaftl. Zeitschriftenvon Bayern, Baden und Grossherzogthum Hessen, haben in den neusten Jahrenwerthvolle Nachrichten über, und Beiträge für, den Tabaksbau jener Gegendengeliefert.) —
Abgesehen von der Grundsteuer, unterliegt der Tabaksbau in den nörd-lichen Staaten des Zollvereins einer, nach der Grösse der jährlich beflanztenStrecke in vier Güte-Abstufungen bemessenen Steuer, welche von je 6 pr. QR.beziehungsweise 6, 5, 4 und 3 sgr., also von 1 Morgen ebensoviel Thlr. be-trägt. Bei den oben angenommenen Ertrags- und Preis-Durchschnittssätzen stelltsich diese Abgabe auf beziehungsweise 6,66, 8,33, 10,00 und 13,33 Prozentvom Roherträge oder auf etwa das Doppelte dieser Sätze vom Reinerträge,was .allerdings schon eine Belastung genannt werden kann. Bis zu dieser (zuerstfür Preussen durch Kab. Ord. vom 29. März 1828 eingeführten) Art der Be-