Handel in Häuten, Leder- u. Lederwaaren.
515
neten Gerbestoffen ist hierzu die Eichenrinde unentbehrlich; weil sie, im Ver-hältniss zu ihrem Preise, bei weitem am wirksamsten ist. Aber auch nur diejunge Borke erfüllt vollständig ihren Zweck und verleiht den damit begünstig-ten Gerbereien ein bedeutendes Uebergewicht. Schon im Jahre 1836 hat derGewerbeverein für das Königreich Hannover, mittelst einer (von mir abgefassten)Anleitung zur Erzielung dieser jungen Borke; auf deren Vervielfältigung imKönigreich Hannover hinzuwirken gesucht. Auch an spätem ähnlichen Bestre-bungen, an andern Orten (z. B. von Seiten des Norddeutschen Gerbervereins)hat es nicht gefehlt. Dass aber diese Masregeln keinen genügenden Erfolggehabt haben, zeigt der Inhalt der oben erwähnten (sehr lesenswerthen) Denk-schrift; aus welcher ich die folgenden Sätze hervorhebe (S. 5 lind 6). „Die Rhein-„provinzen haben das anerkannt vorzüglichste Gerbematerial, die Rinde der jun-„gen Eichen, Spiegelrinde genannt, während im übrigen Preussen die Rinde von„alten Eichen hierzu benutzt werden muss. In Folge einer langjährigen, nicht„immer von volkswirthscliaftlichen Prinzipien geleiteten Waldkultur, in den„östlichen Provinzen hat sich an vielen Orten ein fühlbarer Mangel an Eichen-rinde herausgestellt, der in sonst bedeutenden Fabrikstädten ohne geeignete„Wasserverbindung, wie z. B. Stargard in Pommern, nach Abholzung der Eichen-„waldungen in der Nähe, das Eingehen der Gerbereien zu Folge hatte. Zum„Gerben von 1 Ztr. Rohleder werden 4 bis 5 Zentner junger Rheinischer Spie-„gelrinde oder 6 bis 7 Zentner alter Eichenrinde erfordert. Der Gesammtver-„brauch Preussens, zum Gerben von 270000 Zentnern lohgaren Leders würde„sich hiernach auf mindestens 1,500000 Zentner berechnen. Bei einem jährlichen„Durchschnittsertrage des Morgens Schälwald von 1 V 4 Zentner, oder von 25„Zentnern bei 20jährigem Umtriebe würde zur Producirung dieses jährlichen„Verbrauchs für- Preussen eine Betriebsfläche von 1,200000 Morgen Schälwald„erforderlich sein. Wir haben die Lederproduktion Preussens als gleich gross„auf jeder Seite der Elbe, also fiir lohgares Leder auf 135000 Zentner ange-geben. W r egen des zum Gerben erforderlichen grösseren Quantums an alter Eichen-rinde muss der Lohverbrauch diesseits der Elbe, wo in Ermangelung der Spie-„gelrinde nur die Rinde von alten Eichen benutzt werden kann, auf mindestens„850000 Zentner angenommen werden. Der Morgen gut bestandenen alten Eich-„wrnldes liefert einen Durchschnittsertrag von 80 Zentnern geputzter Eichenrinde.„Es wird daher allein zur Deckung des Bedarfs an Gerbelohe diesseits der Elbe„jährlich der Rindenertrag von mindestens 11000 Morgen alten Eichenwald erfor-dert; Berlin mit seinem Bedarf von 200000 Zentnern Eichenrinde verbraucht„allein jährlich den Rindenertrag von mindestens 2500 Morgen gut bestandenen„alten Eichenwaldes. Zur Deckung eines gleich grossen jährlichen Bedarfs an„Spiegelrinde würden nach den obigen Annahmen 160000 Morgen Schälwald-„fläche für Berlin allein erforderlich sein. Die Eichenschälwaldungen haben sieh„in England, Frankreich, Belgien, sowie namentlich auch in Rheinpreussen und„wo sie sonst in Deutschland Eingang gefunden, als die bestlohnende Wald-