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Deutschland und das uebrige Europa : Handbuch der Bodens-, Bevölkerungs-, Erwerbs- und Verkehrs-Statistik; des Staatshaushalts und der Streitmacht / in vergleichender Darstellung vom Dr. Freih. Fr.W. v. Reden
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Staats-Schulden in Europa.

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Zu 20: Königstaat Griechenland. Bestandteile. Auswärtige Schuld:

1) 1833 (unter Bürgschaft der 3 Schutzmächte) 06,600000 Drachmen, wovon ein Theil,durch Zahlungen der Bürger, getilgt ist.

2) Schuld an Bayern, im November 1848 geordnet zu 1,529333 Fl. rhein.

Innere Schuld, nämlich Renten, Kautionen, Anleihen u. dgl., etwa 9,500000 Drachmen.

Der Rest Zinsenrückstäude uud schwebende Schuld.

Zu 21: Kaiserstaat Türkei. Besta n d theile der Staatsschuld:

1) Kapital der Renten ( Schim) mit 12°Jo 4,000000 Piaster =: .. 33,400000

2) Kapital der 40,000000 Piaster Renten betragenden Lehnentschädigungen

12 °/o ~. 334,000000

3) Kapital der (mittelst Firmen vom 5. April 1853 zur Einziehung der schlech-ten Münzen und des Papiergeldes auf 15 Jahre bewilligten) Rente an die Bank,

30 Mill. Piaster zu 12°|o kapitalisirt =. 250,000000

4. Papiergeld ( Ca'imes ) seit 1829, wo die erste Ausgabe behuf Deckung der

Russischen Kriegskosten beganu, bis auf etwa. 196,000000

herangewachseu; wovon 132 Mill. 6°|o empfangen, der Rest aber nicht ver-zinst wird

5. Schwebende sonstige Schuld und Defizit, wofür ein Anlehen unterhandelt wird,

etwa 2.500000 Lst. zu 10°|o oder . 255,000000

Zusammen Piaster. 1068,400000

oder Thlr. Kourant. 71,226000

Zur Zeit der letzten Kriege mit Russland uud Griechenland (1829) Hess die Pforte, gedrängteinerseits durch missliche Finanzzustände, andrerseits durch die Rathschläge des damaligen Di-rektors der Münze, des Armenischen Wechslers Kazaz-Erutin, eine grosse Menge Münzen vonniedriger Legirung prägen, nämlich die sog. Besc.hlik zu 5 Piaster und deren Bruehtlieile bishinab auf 10 Para, dann die sog. Altilik zu 6 Pstr. lauter Münzen, deren reiner Silber-gehalt bei Vergleichung, mit dem K. K. Oesterreichischeu Thaler kaum 20°|o beträgt. Der Um-lauf von solchem neuen Gelde gab natürlich dem Münzkurse in der Türkei einen empfindlichenStoss, und nur zu bald musste man ein Höhergehen der andern Valuten um nahe 100 °|oerfahren.

Kurz nach dem Regierungsantritte des Sultans Abdul Medschid kam jedoch die. Pfortezu der Krkeuntniss, dass früher ein Fehlweg eingeschlagen worden, und suchte nach Mitteln zurAusgleichung. Dies war nicht leicht, weil es an bewährten Finanzmänneni mangelte; wogegenaber zahlreiche Rathschläge von Griechischen und Armenischen Banquiers, die entweder unwis-send oder eigennützig waren, die Regierung berückten. Diese beschloss nun die Ausgabe einerneuen Goldmünze zu 100 Piaster und einer Silbermiinze zu 20 Pstr. Die erstere, Lira genannt,hat einen inneren Werth von 96, die zweite sog. Medschidie einen solchen von 18 Pstr. Damitwar wohl die öffentliche Meinung beschwichtiget; sollte aber durch eine solche Massregel einvollendeter Erfolg bewirkt werden, hätte man vor allem den Umlauf der Beschlik und Altilikgesetzlich anordnen nAssen, welche im Vergleich zur ueugeprägteu Münze blos einen Werth von48°,o haben. Statt dessen wurde diese letztere zur effektiven Regierungsmünze erklärtund ihr, bei dem Mangel an baareiu Gelde, in den öffentlichen Kassen eine nicht unwichtigeRolle gegeben.

Nunmehr setzt die Pforte die Europäischen, sowie jene alten Türkischen Münzen, welcheaus reinem Gold und Silber geschlagen waren, ausser Umlauf uud verordnet gleichzeitig dieEinlieferung derselben an die Staatskasse, welche sie zum Werthe ihres inneren Metallgehaltesgegen Beschlik und Altilik einzulösen hat. Es ist leicht zu erkennen, dass die Pforte bei einersolchen Verfügung blos ihr eigenes Interesse ins Auge nahm, den daraus für den Handel imAllgemeinen erwachsenden Nachtheil jedoch übersah. (Z. v, Austria 1852 Nr. 293, S. 2423.).

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v. Reden, Statistik v. Europa,