Populäre Theorie. ly
Theilchen sind im Begriff, der Sonne sich zu nähern, oderdie Attraction vermindert ihre gegen die Erde gerichtete Schwe-re, und die Wassersäulen, die an dieser Seite liegen, könnennicht anders den benachbarten und allmählig weiter von dergegen die Sonne gewandten Richtung entfernt liegenden Theil-chen das Gleichgewicht halten, als indem sie sich hier höhererheben. Die den festen Erdkern umgebenden Gewässer erhe-ben sich daher hier um so viel als jene verminderte Schwerees fordert, ganz so, wie auf der rotirenden Erde die Wasser-säulen um den Aequator höher seyn müssen, um, bei ihrer ver-minderten Schwere, denen gegen die Pole hin das Gleichgewichtzu halten. So also entsteht eine Fluth auf der der Sonne zu-gewandten Seite. Auf der von der Sonne abgekehrten Seiteist dagegen die Schwungkraft zu grofs; denn nicht blofs istdie Schwungkraft an jener Seite etwas gröfser als im Mittel-puncte, sondern auch die Anziehungskraft der Sonne ist klei-ner, also ist dort ein merkliches UebergewichtderSchwungkraftvorhanden; die dort liegendenWassertheilchen haben also einBestreben, sich von der Erde los zu reifsen, oder, da ihreSchwere dieses hindert, so wird wenigstens die auf sie wirkendeSchwerkraft sich als verringert zeigen ; der Druck der seitwärtsliegenden Wasserschichten, die durch eine mächtigere Schweregegen den Mittelpunct der Erde getrieben werden, verdrängtdaher diese von einer geringem Schwere gedrängten Theilchenund nöthigt sie, einen höhern Stand anzunehmen, so lange bisder Gegendruck der höher gewordnen Säulen stark genug ist,um das Gleichgewicht zu erhalten. Auch an der von der Sonneabgewandten Seite entsteht also eine Fluth, und das Wassersenkt sich in allen den Puncten, die die Sonne im Horizontesehen, oder denen sie wenig über oder unter dem Horizontesteht, um sich da vorzüglich zu sammeln, wo die Sonn eim Ze-nith und wo sie im Nadir steht.
Die Rotation der Erde bringt hierin keinen erheblichenUnterschied hervor, indem die sämmtlichen Gewässer schon diedieser Rotation angemessene Gestalt haben, und die wegen je-ner fremden Kräfte eintretenden Aenderungen sich nun eben sobei der sphäroidischen Erde ergeben, wie sie bei der kugel-förmigen, nicht rotirenden Erde seyn würden; nur bleibt jetztder Gipfel der Fluthhöhe nicht fortwährend an demselben Puncteder Erde.
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