Band 
Erster Band.
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22 Geschichte der alten Welt.

Konfucius in der Absicht schrieb, die wahre Negierungsweiöheit unddie echten Grundsätze für das bürgerliche Leben zu lehren, undwelche deswegen reich an Denksprüchen, Klugheitsregeln und Re-den großer Männer ist. Außer den King's besitzen die Chinesennoch viele andere Werke aus älterer Zeit, von welchen einige ih-rem Ansehen nach unmittelbar unter jene gestellt werden, und denNamen der kleinen King's führen. Eines der wichtigsten Werkeder chinesischen Literatur sind die Reichs-Annalen, welche etwaein Jahrhundert v. Chr. begonnen und bis auf die gegenwärtigeDynastie fortgesetzt wurden. Sie umfassen gewöhnlich sechszig sehrstarke Bände, und enthalten nicht blos die Geschichte des Staats,sondern auch die des Handels, der Erfindungen und der Literatur,sowie statistische und geographische Angaben.

Wie die Bildung, so ist auch die Religion in China demZweck des Staates untergeordnet, oder vielmehr sie ist demselbenvon jeher geopfert worden. Jeder muß der Form und dem Namennach die Religion des Kaisers annehmen, ebenso wie in Englandbis vor wenigen Jahren jeder, der ein öffentliches Amt oder einenSitz im Parlament erhalten wollte, die sogenannte Test-Acte odergewisse Dogmen der englischen Staatskirche beschwören mußte; ober daran glaubt, ist gleichgültig. Deswegen kann auch in Chinajede Religion, die sich dem Staate fügt und dem chinesischen We-sen anpaßt, bestehen; aus eben demselben Grunde aber konnte dasChristenthum, welches seiner innersten Natur nach eine selbstständ-ige Religion ist, dort nicht Wurzel fassen. Vollkommene Freiheitist dem Bekenntniß jedes Glaubens gewährt, welcher nicht gegendie Autorität der Regierung und den Geist des Staates auftritt.Ein eigentlich religiöses Bedürfniß kann bei einem Volke, in wel-chem das Gemüth so wenig und der Verstand in so überwiegen-dem Maße entwickelt ist, nur in geringein Grade vorhanden sein;und wirklich besteht auch bei den Chinesen die Religion blos inder Ausübung moralischer Pflichten und außerdem nur entwederin philosophischen Lehren oder in einem bloßen äußeren Cultus.Aus diesem Grunde waltet auch nur eine geringe Feindschaft zwi-schen den drei Religionen, welche in China die herrschenden sind;ja, Viele aus dem Volk besuchen abwechselnd die Tempel vonallen dreien, um zu beten. Diese Religionen sind die Lehre des