Griechen. Früheres heroisches Zeitalter. 17z
^ war. Schon im späteren Alterthum war von ihm keine Spurmehr zu sehen, und die neueren Reisenden haben zwar auf Kretaein Gewirre von Höhlcngängen entdeckt, welches man das Labyrinthzu nennen Pflegt, allein dieses ist kein Gebäude, sondern ein großerSteinbruch in einem Felsenhügel, und liegt nicht bei Knossus, son-dern in der Nähe der alten Stadt Gortyne. Wahrscheinlich eristirtesenes Gebäude niemals, und war blos ein Product der dichtendenSage. Der Minotaurus wurde, wie unten erzählt werden wird,von dem Athener Thescuö mit Hülfe der Tochter des Minos,Ariadne, getödtet. — Minos H. soll, wie sein gleichnamigerAhne, weithin geherrscht und für eine kurze Zeit auch die Athenersich unterworfen haben. Die Macht der kretischen Herrscher sankaber »ach seinem Tode sehr schnell; denn zur Zeit des troja-nischen Kriegs besaß der damalige König von Kreta nur eine kleineZahl Schiffe, und die benachbarten Meere waren schon wieder mitSeeräubern angefüllt. Zur Zeit des zweiten Minos begann nebenKnossus, Cydonia und Phästus auch die Stadt Gortyne sich zuheben, welche nach und nach eine der Hauptstädte der Insel ward,und deren Trümmer noch heut' zu Tage einen großen Raumeinnehmen. —
Außer der Insel Kreta spielen die Länder Argolis, Lakomen,Korinth, Attika, Böotien, Aetolien und Thessalien vorzugsweiseeine Rolle in der reichhaltigen Sagenwelt des griechischen Volks.Die Erzählungen von dem, was in ihnen während der heroischenZeit sich ereignete, sind zum Theil ebenso häufig Gegenstandder griechischen Dichtkunst geworden, als die Sagen von den großengemeinsamen Unternehmungen des Argonauten-Zugs und des tro>
^ janischen Kriegs. Die wichtigsten dieser Erzählungen müssen des-
i halb einzeln angegeben werden. Die ältere Geschichte der übrigen
! Länder und Staaten Griechenlands ist zwar ebenfalls in die griech-ische Heldensage verflochten, hat aber nur eine untergeordnete Be-deutung. In allen verschwand, in Folge neuer Einwanderungen,das pelasgische Wesen; alle erhielten neue Bestandtheile ihrer Be-völkerung. Nur ein einziges griechisches Land, Arkadien nämlich,erlitt keine solche Veränderung. Die Arkadier wurden weder ausihrem ursprünglichen Wohnsitze verdrängt, noch wanderten andereStämme in ihr Land ein und vermischten sich mit ihnen. Sie