Band 
Erster Band.
Seite
195
JPEG-Download
 

Griechen. Zeit des trojanischen Kriex

195

haben. Diese Erzählung deutet, wie die von den Argonauten undandere Sagen, auf Naubfahrtcn, welche in der früheren Zeit öftersvon Griechenland aus nach Kleinasien und umgekehrt unternommenwurden. Die Lust zu denselben hatte bei den Griechen vielleichtgerade kurz vor dein trojanischen Kriege sehr zugenommen, da,wegen der fortgeschrittenen Cultur, in ihrem eigenen Lande nichtmehr, wie früher, wilde Thiere und menschliche Unholde zu be-kämpfen waren, und deswegen der abenteuerliche Sinn der jungenMänner außerhalb des Landes eine Befriedigung suchen mußte.Es würde mithin der Ausbruch eines größeren und allgemeinerenKampfes zwischen den Bewohnern der beiden entgegengesetzten Uferdes Archipelagus, auch ohne Angabe eines besonderen Grundes,sich leicht erklären lassen. Die Sage ist aber selten mit einer ein-fachen, in den Verhältnissen selbst liegenden Ursache zufrieden, son-dern sie verwandelt den Grund eines Ereignisses gern in eine be-stimmte und durch ihren Verlauf interessante Thatsache. Sie knüpfte da-her auch die Entstehung des trojanischen Kriegs an jenes griechischeHerr-schergeschlecht der Pelopiden an, welches aus Kleinasien abstammte,und dessen Ahnherr Pelops durch einen trojanischen König seinesdortigen Reiches beraubt worden war. Sprößlinge dieses Hauseswaren Agamemnon, der Beherrscher von Mpcenä, und Menelaus,der König von Sparta. Zu dem Letzteren schickte einst der troja-nische König Priamus, Laomedon's Sohn, aus irgend einemGrunde eine Gesandtschaft, an deren Spitze sein Sohn Parisoder, wie derselbe auch hieß, Alexander stand. Dieser hatte früherin einem Streite dreier Göttinnen als Schiedsrichter zu entscheidengehabt, welche von ihnen die schönste sei, und weil er zu Gunstender Venus sich ausgesprochen hatte, war ihm von dieser das schönsteWeib verheißen worden. Die schönste aller damals lebenden Frauenaber war Helena, die Gemahlin des Menelaus, in deren HauseParis eine gastfreundliche Aufnahme fand. Mit Hülfe der Venusgewann er die Liebe der spartanischen Königin, und entfloh mitihr nach Troja. Daraus entstand der trojanische Krieg; und weilfast alle Staaten Griechenlands sich zur Bekämpfung Troja's ver-banden, so hat die Sage auch dafür einen äußeren und unmittel-baren Grund aufgestellt, indem sie" den oben erwähnten Eid er-dichtete, welchen alle Freier der Helena ihrem Vater hatten leisten

13 *