Griechen. Zeit des trojanischen Kriegs. 2tz5
Gleich nach geschehener That erwachte in Orestes die Stimmedes Gewissens, und er empfand die tiefste Reue über seinen Mut-termord, oder, wie die Sage es ausdrückt, die Eumeniden oderFurien d. i. die Göttinnen der Rache verfolgten ihn, und ließenihm Tag und Nacht keine Ruhe. Er irrte in Begleitung seinestreuen Freundes trostlos umher. Das delphische Orakel, an welcheser sich wandte, antwortete ihm, er solle im Teinpel der Diana aufTauris sich Raths erholen. Die beiden Freunde reisten dahin, wur-den aber daselbst sogleich gefangen genommen. Es war in TaurisBrauch, die in das Land kommenden Fremdlinge der Diana zuopfern. Auch jenen Beiden ward angekündigt, daß einer von ihnengeschlachtet werden müsse. Zeder wollte nun für den ander» sterben.Endlich gab Pylades in dem edeln Wettstreite nach, und Oresteswurde der Priesterin zugesandt, um von ihr der Göttin geopfertzu werden. Diese Priesterin war Jphigenia, Orest's Schwester;aber die Geschwister erkannten einander nicht. Schon zückte Jphi-genia vor dem Altar den Dolch gegen Orestes, als dieser ausrief:„So starb einst auch meine Schwester Zphigenia in Aulis!" Daerkennt die Priesterin ihren Bruder; sie schiebt unter einem schnellerdachten Verwand die feierliche Handlung auf, und verabredetdann mit Orestes und Pylades die Flucht. Alle drei gelangtenglücklich nach Griechenland zurück. Erst hier verließen endlich dieRachegöttinnen den Muttermördcr. Er bemächtigte sich hierauf nachdem Tode seines Oheims Menelaus, dessen Tochter Hermioneseine Gemahlin geworden war, des von'diesem hinterlassenen König-reichs Sparta. Schon vorher hatte er von Argos Besitz genom-men, und jetzt eroberte er auch sein väterliches Reich Mycenä, inwelchem seither ein Sohn des Aegisthus geherrscht hatte. Orestesstarb hochbejahrt durch den Biß einer Schlange. Zphigenia, welchean vielen Orten Griechenlands die Verehrung der Diana umge-staltet haben soll, und Elektra, welche von Orestes seinem FreundePylades vermählt worden war, starben eines natürlichen Todes.
Von den Schicksalen der übrigen Helden des trojanischen Kriegswerden die des Menelaus, des DiomedeS, des einen der beiden Ajar,welcher die Zerstörung von Troja überlebte, und des Teucer amhäufigsten erwähnt. Menelaus nahm nach der Eroberung Troja'sdie schöne Helena wieder als Gemahlin an. Auch er wurde auf