Band 
Erster Band.
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214 Geschichte der alten Welt.

So war der Charakter des griechischen Lebens in der späterenHeroenzeit beschaffen. Unter einem milden Himmel lebte also einrüstiges Volk mit kriegerischem Sinne und einfachen Sitten. Allenahmen Antheil an den öffentlichen Angelegenheiten, Alle warenfrei, und trotz einer gewissen Ungleichheit unter ihnen standen Allesich nahe, und kannten in ihrem Gemeinwesen keine Art von Druck.Die verhältnißmäßig geringe Bevölkerung des Landes und derBesitz von Sklaven gewährten eine sorgenlose Leichtigkeit des Le-bens. Niedere Arbeit kannte ein Theil dieses Volkes nicht. Krieger-ische Unternehmungen, Jagd, Übung in den Waffen und Kampf-spiele beschäftigten den Körper und stählten seine Kraft; der Geistaber wurde durch religiöse Gebräuche und durch Seher auf dasHöhere aufmerksam gemacht, und erhielt eine fortschreitende Ent-wickelung und Bildung durch das heitere Zusammenleben derEdeln, durch häufige Berathungen über öffentliche Angelegenheitenund gemeinschaftliche Kriegszüge, vor Allem aber durch die dichter-ischen Erzählungen der Barden und die veredelnde Macht derMusik.

Die Weltgeschichte zeigt viele Jahrhunderte später im NordenEuropa's ähnliche Zustände, deren Vergleichung mit dem heroischenZeitalter der Griechen dazu dienen kann, den Geist einer Zeitklarer zu machen, welche in dem Leben der Völker nicht über dieersten Anfänge der höheren Cultnr hinausreicht, und deshalb meistaußerhalb der sicher erkannten Geschichte liegt. Von den altenBritten in Wales, den Schotten im Norden der brittischen Inselund den Germanen in Skandinavien haben sich Sagen und Liedererhalten, die uns das Leben dieser Völker kurz vor dem Beginndes eigentlichen Mittelalters darstellen, und in denen eine nordischeHeroenzeit sich abspiegelt, welche über tausend Jahre dauerte. Derherrschende Geist, die Lebensweise und die Cultur dieser nordischenHeldenzeit sind dem Charakter der griechischen im höchsten Gradeähnlich; es zeigen sich nur einige wenige Unterschiede, welche zumTheil dem Einfluß des Klima's zuzuschreiben sind.

Der auffallendste dieser Unterschiede besteht darin, daß dieGriechen im Verlauf ihrer Heldenzcit sich veredelten und milderwurden, während umgekehrt die nordischen Völker, in der früherenPeriode ihrer Heroenzeit größer, aufstrebender, reiner und würdiger