228 Geschichte der alten Welt.
Reiterei aus, und besaß ebenfalls eine große Seemacht. — DieStadt Ephesus wurde besonders wegen eines Tempels der Dianaberühmt, zu welchem man aus ganz Kleinasien wallfahrtete, undder, als er im Jahre 356 v. Chr. niedergebrannt war, so glänzendund großartig wieder aufgebaut wurde, daß er seitdem für einesder Wunderwerke der Welt galt. In der späteren Zeit des Alter-thums wurde Ephesus die erste Handelsstadt von Kleinasien, inder früheren aber stand es weit hinter Milet, Phokäa und andernStädten dieses Landes zurück.
Teos, obgleich eine der ansehnlicheren Städte Joniens, isthauptsächlich nur als der Geburtsort des Dichters Anakreon undwegen der großen Freiheitsliebe seiner Bewohner berühmt. DieBürger von Teos zogen, gleich einem Theile der Phokäer, die Frei-heit dem Vaterlande vor, und verließen ihre Stadt, die den Per-sern nicht zu widerstehen vermochte, um sich an der freien thracischenKüste niederzulassen (s. oben S. 127).
Die Insel Chios mit der gleichnamigen Hauptstadt rühmtesich vorzugsweise der Verbesserung des Weinbaus und einer großenSeemacht; der Chier-Wein galt im Alterthum als der beste griech-ische Wein, und die Insel stellte bei der Empörung der Joniergegen die Perser die größte Zahl von Schiffen. Außerdem liefertediese Insel das beste Mastix-Harz, welches noch jetzt vaö Haupt-erzeugniß derselben bildet. Ebenso, wie Chios vor einigen Jahr-zehnten in dem Freiheitskampfe der Neugriechen von den Türkenauf das grausamste mishandclt wurde, hatte es auch bei der ion-ischen Empörung das Unglück, daß es von den Persern verwüstetund der größte Theil seiner Einwohner in die Sklaverei geschlepptward.
Die Insel Rhodus zeichnete sich dadurch aus, daß schonlange zuvor, ehe dorische Colonisten sich dort niederließen, nämlichschon zur Zeit des trojanischen Kriegs, Handel und Gewerbe aufihr blühten. Ihre Bewohner nahmen auch später an dem großenAufschwung der Schifffahrt und des Handels der Griechen Theil,fuhren schon früh bis nach Spanien, und legten manche neue Co-lonie in fernen Ländern an. Die größte Bedeutung erhielt aberRhodus in den Zeiten nach Alexander dem Großen. Es hatteseitdem mehrere Jahrhunderte hindurch in dem Archipelagus den-