Band 
Erster Band.
Seite
279
JPEG-Download
 

Griechen. Sparta vor den Perser-Kriegen. 27S

doch nicht mehr als je eine Stimme hatten, beriefen und leitetenanfangs auch die Volksversammlungen, und waren die Oberan-führer im Kriege, wo sie dann außerhalb des Landes eine unum-schränkte Gewalt besaßen. Andere Spartaner erhielten nie denOberbefehl über das Heer, außer später bei Seekriegen und beiUnternehmungen in entfernteren Ländern. Außer den angegebenenRechten hatten die Könige vor den übrigen Spartanern nur nochgewisse Ehren voraus. Sie erhielten ;. B. bei den öffentlichenMahlen doppelte Portionen, und hatten bei allen Festlichkeiten denVorsitz; im gewöhnlichen Leben aber fielen alle Auszeichnungenweg, und die vornehmen Spartaner verkehrten mit ihnen wie mitihres Gleichen. Einen Gehalt erhielten sie ebenso wenig, als ir-gend ein Beamter in Griechenland überhaupt; sie besaßen nur mehrerbliche Grundstücke als andere Spartaner, und empfingen zumBehuf der von ihnen zu bringenden Opfer einige Abgaben.

Die eigentliche Regierungögewalt war in den Händen desSenats, welcher die Gerusia oder der Rath der Alten hieß,und aus den beiden Königen und achtundzwanzig auf Lebenszeiterwählten Mitgliedern bestand. Diese Senatoren wurden von derVolksversammlung aus den Spartanern gewählt, und mußten min-destens sechszig Jahre alt sein. Der Senat hatte die ganze Ver-waltung des Staats, bildete den höchsten Kriminalgerichtshof, undberieth und entschied alle öffentlichen Angelegenheiten, war aber fürdie wichtigsten derselben an die Zustimmung der Volksversammlunggebunden. Die Volksversammlung selbst wurde regelmäßigerWeise alle Monate einmal, nämlich bei jedem Vollmond gehalten,und bestand aus einer größeren, an welcher alle Spartaner undPeriöken Theil nahmen, und aus einer kleineren, zu der blos dieErsteren berufen wurden. Nur wer wenigstens dreißig Jahre altwar, durfte derselben beiwohnen. Den Vorsitz in ihr führten dieKönige oder der Rath, sowie später auch die Ephoren. Die Ab-stimmung geschah nicht durch das Abgeben der einzelnen Stimmen,sondern durch Acclamation oder allgemeinen Zuruf. Die Volks-versammlung wählte die Senatoren und Beamten, und entschiedüber neue Gesetze, über die streitige Thronfolge, über die Absetzungobrigkeitlicher Personen, über Verbrechen gegen Staat und Volk,sowie über Krieg und Frieden. Sie hatte also über alle allgemei-