820 Geschichte der alten Welt.
auf der Folter sich die Zunge abgebissen babe, damit sie außerStand sei die Theilnebiner zu verrathen.
Hippias, von Argwohn erfüllt, ließ jetzt seinem despotischenSinne ungehemmt die Zügel schießen, und suchte seine Herrschaftdurch auswärtige Verbindungen zu befestigen. Da er von seinemVater her ansehnliche Güter in Kleinasien und Thracien besaß,welche Länder damals dem Perser-König untergeben waren, sosuchte er vor Allem mit diesem in Verbindung zu treten. Er ver-mählte deshalb seine Tochter mit dem Beherrscher von Lampsakus,einem persischen Vasallen, welcher bei dem Könige in großer Gunststand. Die von Pisistratus vertriebenen Alkmäoniden und andereFlüchtlinge boten Alles auf, um in den griechischen Staaten Unter-stützung zu erhalten und den Tyrannen zu stürzen. Sie hattenschon unter Pisistratus und gleich nach seinem Tode mehrere Ver-suche gemacht, Athen zu befreien, waren aber stets mit blutigenKöpfen zurückgewiesen worden. Nach Hipparch's Ermordung zeig-ten sich zwar bessere Aussichten, aber auch Hippias schlug dreiJahre lang jeden Angriff der Alkmäoniden zurück. Dessen unge-achtet gaben diese die Hoffnung der Rückkehr nicht auf, und suchtenvon einer Festung her, welche sie an der attischen Gränze errichtethatte», dieselbe auf jede Weise zu bewerkstelligen. Um die Zu-neigung der andern griechischen Staaten und der delphischen Prie-sterschaft zu gewinnen, gaben sie aus ihrem großen Vermögen einensehr bedeutenden Beitrag zur Wiederherstellung des Apollo-Tempelszu Delphi, welcher im Jahr 548 v. Chr. abgebrannt war, unddamals von den Gliedern des Amphiktyonen-Bundes wieder auf-gebaut wurde. Das von den Alkmäoniden bestochene Orakel for-derte die Spartaner, so oft sich diese an dasselbe wandten, auf,den Athenern zur Wiedererlangung ihrer Freiheit zu verhelfen.
Die Spartaner, welche in der letzten Zeit andern Staaten zurVertreibung ihrer Tyrannen behülflich gewesen, mit Hippias aberdurch ein besonderes Bündniß in freundlichen Verhältnissen standen,benutzten die Aufforderung des Orakels als einen guten Verwand,um auch diesen Herrscher zu verdrängen. Sie leisteten den Al-kmäoniden zwar von Staatswegen keine Hülfe, erlaubten aber einemihrer angesehenen Mitbürger, mit einer kleinen Schaar Spartanereinen neuen Angriff der Alkmäoniden zu unterstützen. Hippias hatte