132 Geschichte der neueren Zeit.
welche König Friedrich in der von ihm unterschriebenen Wahl-Capitulation vom 8. März gewähren mußte.
Um deutlich zu machen, warum der Bürgerstand, welcher inDänemark nicht, wie der Bauernstand, von der Theilnahme an denReichsversammlungen ganz ausgeschlossen war, lieber die Despotieeines Königs, als die eines armen und ungebildeten Adels sich ge-fallen lassen konnte, wollen wir nur einige Punkte anführen, durch ^welche die in den beiden vorhergegangenen Wahl-Capitulationen schon zübermäßig beschränkten königlichen Vorrechte noch mehr beschränkt ^wurden. Der König hatte vorher das Recht gehabt, bei der Er-ledigung einer Reichsraths-Stelle aus zwei Kandidaten, welche derAdel vorschlug, einen zu wählen; dies wurde jetzt dahin abgeändert,daß, wenn künftig ein Reichsrath sterbe, der Adel derjenigen Pro-vinz, aus welcher derselbe gebürtig gewesen sei, sechs oder acht ausseiner Mitte wählen und dann aus diesen der Reichsrath, ohne den jKönig weiter zu befragen, die erledigte Stelle besetzen solle. Ebensosollte der Herrscher fortan weder den Vice-König von Norwegen,noch die Inhaber der vier hohen Reichsämter unmittelbar ernennendürfen, sondern aus drei vom Reichsrathe Vorgeschlagenen zu er- !wählen haben. Ferner sollte er ohne Erlaubniß des Reichsrathes !nicht aus dem Reiche reisen dürfen. Endlich ward ihm verboten,einen Beschluß des Reichsrathes abzuändern oder gar aufzuheben.Andere Beschränkungen, welche bei Gelegenheit von Friedrich's HI.Erwählung zu Gunsten der adeligen Aristokratie und der Oligarchiedes Reichsrathes gemacht wurden, mag der Leser in der Urkundeselbst nachlesen, die sich in Holberg's dänischer Reichsgeschichte (Th. :UI. S. 51 ff.) wörtlich abgedruckt findet. °
Der neue König hatte eine ruhige Natur und wenig Ehrgeiz; 'seine Gemahlin Sophia Amalia dagegen, eine Tochter des Her- 'zogs Georg von Lüneburg, war verständig, ehrgeizig und in Betreff !der Mittel, ihren Zweck zu erreichen, wenig bedenklich. Sie hatteeinen Bremenser und einen Lüneburger, Gabel und Lenthe, mit-gebracht, die ihr bei Allem, was sie unternahm, zur Seite standenund in allen Künsten der deutschen Juristen erfahren waren. Dievon Christian IV. auf unverständige Weise begünstigten Kinder der ;Christina Munk duldete König Friedrich III. ohne sichtbaren Verdruß;seine Gemahlin dagegen hegte einen tödtlichen Haß gegen sie.