1Z8 Geschichte der neueren Zeit.
Schweden und für Deutschland, weil Christina schon 1647 durchihren vertrauten Minister Salvius gegen Orenstierna's Willen denwestfälischen Frieden förderte, den der Kanzler verzögerte, um seineRegierung zu verlängern.
Zu dem schwedischen Reiche gehörten damals nicht nur die imwestfälischen Frieden abgetretenen deutschen Provinzen (s. Th. XIV.S. 498) und die im Frieden von Brömsebro erworbenen Theilevon Dänemark (s. oben S. 130), sondern auch Liefland, Esthlandund Finnland. Ein solches Reich konnte nur durch große Sparsam-keit erhalten und, da seine Einkünfte besonders aus den Krongüternflössen, durch gute Verwaltung derselben vergrößert werden; Christinabefolgte aber ein ganz entgegengesetztes System, weil sie den großenUmfang ihres Gebietes mit der inneren Stärke desselben verwech-selte. Die Einkünfte waren weder der Ausdehnung eines Reichesgewachsen, welches nur durch ein stehendes Heer vertheidigt werdenkonnte, noch genügten sie für die Ausgaben, die ein ganz glän-zend eingerichteter Hof und ein unbeschreiblich stolzer, verschwende-rischer Adel zu machen hatten. Dieser Adel hätte schon unter Chri-stina gern begonnen, was er später nach ihres Nachfolgers Todedurchsetzte; oder mit anderen Worten, er hätte gern schon damalswie nachher zu derselben Zeit, als der dänische Bürgerstand ausUnwillen über die Despotie des Adels eine absolute Monarchie er-richten half, eine unter den Schein einer Monarchie versteckte Adels-herrschaft eingeführt. Auch würde diese Adels-Revolution schon frühererfolgt sein, wenn nicht Karl X. durch den Glanz seiner Thaten dasMisverhältniß des dreißigjährigen Krieges und der in Folge des-selben eingetretenen Erschöpfung der Kräfte und Finanzen auf einigeZeit in Vergessenheit gebracht hätte. Wir können dies mit allerBestimmtheit behaupten; denn wir haben uns aus Geijer's Angabenüberzeugt, daß Christina der Regierung hauptsächlich darum schonnach zehn Jahren müde ward, weil sie nicht wußte, wie sie dieMisverhältnisse im Inneren beseitigen könne, welche freilich zumTheil durch ihren Mangel an praktischem Sinn und an Sparsam-keit, zum großen Theil aber doch auch durch die allgemeine Stellungdes auf dem Wege der Eroberung geschaffenen schwedischen Reicheshervorgebracht waren. Bei der Beschaffenheit der mittelalterlichenStändeversammlungen und bei der großen Verschiedenheit der