Band 
[Fünfzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

ganz sonderbaren abenteuerlichen Aufzug betrifft, in welchem sieeinherzog, so scheuen wir uns darauf näher einzugehen. In Betreffdes Ersteren müssen wir jedoch bemerken, daß einige von Christi-na's Liebhabern ganz geeignet waren, sie in der poetischen Abneigungvom starren und steifen Lutherthum ihrer Zeit (denn das einfacheEvangelium der Liebe und des Erbarmens war von jeher der vor-nehmen Welt ein Ärgerniß) zum Pomp einer Kirche zu führen,welche für Sünden, wie die der Christina waren, Vergebung ge-währt. Besondere historische Bedeutung hatten übrigens als Günst-linge der Königin, außer dem Schweden Magnus Gabriel dela Gardie, mehrentheils Ausländer, wie der französische Chirurgus-Bourdelot und der spanische Gesandte Pimentelli, welcherLetztere vorzugsweise den Ruhm hat, die Tochter des heldenmüthigenVertheidigers des Lutherthums in den Schoß der päbstlichen Kirchezurückgeführt zu haben. Es wird nach allen angeführten Umständennicht auffallen, daß die Königin den Gedanken faßte, die Regierungeines Landes, dessen Klima, Sitten und Religion ihr zuwider waren,und dessen Hülfsqnellen sie ganz erschöpft hatte, niederzulegen, da sienie hoffen durfte, ihre Religion dort auch nur für sich allein frei aus-üben zu können. Sie hatte schon 1651 daran gedacht, abzudanken,war aber damals den Vorstellungen des Reichsrathes, besonders derFamilie Orenstierna, gewichen. Im Jahre 1654 ward ihre Verle-genheit so groß, daß sie den Entschluß faßte, die Last, welche für siezu schwer war, auf andere Schultern zu wälzen.

Die Verschwendung und schlechte Haushaltung der Königin über-stieg allen Glauben. Sie verschenkte ein Krongut nach dem anderen,und alle ihre Günstlinge lebten im Überflüsse, während sie selbst ausGeldmangel nicht nur oft Monate lang ihre Dienerschaft nicht zubezahlen vermochte, sondern auch die schlechtesten Mittel, deren Auf-zählung man bei Rühs und Anderen aufsuchen mag, anwendenmußte, um nicht zu einer förmlichen Bankerot - Erklärung genö-thigt zu sein. Sie sah sich gezwungen, ihr Silbergeschirr zu versetzen,und von Arel Lilie, dem sie die Statthalterschaft von Pommern ver-liehen hatte, ein Geschenk von fünfzigtausend Thalern anzunehmen.Auch der von ihr gegen den hochmüthigen Kanzler Orenstierna begünstigteMinister Salvius hatte sechszigtausend Thaler von ihr zu fordern.DieserMnd der kurz zuvor erwähnte Graf Gabriel de la Gardie