Band 
[Fünfzehnter Band.]
Seite
219
JPEG-Download
 

2IS

Schottland. Unterwerfung durch Cromwell.

und einen jeden, der ihn in sein Haus aufnehmen oder ihm znrFlucht behülflich sein würde, mit der Strafe des Hochverrathes be-droht hatten. Als Bauer verkleidet und von den vier Söhnen desBauers Penderel und ihrem Schwager Iates geleitet, irrte derKönig Tage lang umher. Am 6. September brachte er Tag undNacht im Walde auf einer Eiche zu. Zwei Tage hindurch war erganz ohne Speise. An den folgenden ward er in einer Hütte, inder er Zuflucht gefunden hatte, von einem armen Hirten elendiglichgenährt. Die Eiche, auf der er sich versteckt gehalten hatte, ist inder englischen Geschichte unter dem Namen der königlichen Eicheebenso berühmt geworden, als der Ort Boscobel, wo er zuerst eineZuflucht fand, und die ganze Familie Penderel nebst dem HerrnLane, als dessen vermeintlicher Knecht der König die Tochter des-selben vor sich auf das Pferd nahm, um unentdeckt an die Küstezu kommen. Es waren zuerst Katholiken und sehr arme Leute,welche dem Könige Aufenthalt gaben und Schweigen bewahrten;nachher fand er ebenso bei Männern der royalistischen Partei Zuflucht,wie neuerdings unter Louis Philipp die Herzogin von Berry in derVendee. Er hielt sich eine ziemliche Zeit in der Nähe von Bristolauf, fand aber erst am 17. Oktober ein Schiff, welches ihn, nach-dem er vierzig Tage in Todesangst zugebracht hatte, bei Föcampin der Normandie ans Land brachte. Die wahre, aber einer Dich-tung gleichende Erzählung der Abenteuer dieser rettenden Flucht ist invielen Büchern ausführlich behandelt worden. Wir dürfen unshier auf dieselbe um so weniger einlassen, da Lingard im elftenBande seiner Geschichte von England alles Einzelne nicht blosgenau, sondern auch, was man von Clarendon nie rühmen kann,sehr kritisch behandelt hat.

Als Cromwell nach dem Siege bei Worcester in London einzog,wurde er auf solche Weise empfangen, daß man glauben mußte, dieBürgerschaft denke anders, als die ächten Republikaner, ein Ludlow,Hollis, Hutchinson u. A., welche in ihren Denkwürdigkeiten selbstbezeugen, sie hätten seit dem Tage des Einzuges in London eine ganzandere Meinung von Cromwell gehabt, als vorher. Praktisch mochtees sein, daß Cromwell von Freiheit, Tugend und Frömmigkeit redete,und Despotismus und Grausamkeit übte; wir können aber diesepraktische und diplomatische Weisheit nicht anerkennen, weil wir