Band 
[Fünfzehnter Band.]
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Geschichte der »eueren Zeit.

Daß Cromwell ein großer Mann von seltener Charakter-Stärkeund Einsicht war, daß er angeborene Talente zum Feldherrn undRegenten besaß und weniger schlecht war, als alle Minister seinerZeit, geben alle seine Beurtheiler zu. Sein Charakter bestand ebenso,wie seine Regierung, aus einer sonderbaren Mischung von altbür-gerlicher Frömmigkeit und Geradheit mit Heuchelei und Arglist, vonDemuth mit lächerlicher Eitelkeit, von Härte und Grausamkeit mitMilde. Die unzähligen Hinrichtungen, welche Cromwell vornehmenließ, die Einziehung des Vermögens vieler Noyalisten, die Verur-theilung seiner früheren Freunde und Genossen machen uns schau-dern, wenn sie gleich von den Doctrinärs entschuldigt werden. Erhielt freilich Ordnung und Gesetze aufrecht, aber nur wenn sie sei-nem Willen nicht entgegen waren. Er setzte tüchtige Richter ein;aber diese mußten entweder so, wie er wollte, entscheiden oder sich ge-wärtigen, daß er seine Art von Justiz auf tumultuarische Weiseübte. Beiläufig gesagt, scheint uns Henry Hallam im zehnten Ka-pitel seiner konstitutionellen Geschichte von England Cromwell's Ver-fahren am besten beurtheilt zu haben, weil man ihm nicht ansieht,daß er im Voraus bei sich dasjenige ausgemacht hat, was er alswahr hinstellen will. Daß Cromwell, berathen von Leuten, die ernicht nach Rang, Stand und Familien:nhang, sondern nach Ver-dienst, Kenntnissen und Erfahrung in seinen geheimen Rath aufge-nommen hatte, sehr verständig und sehr vorsichtig im Ändern war,beweist besonders die Art, wie er die Wahlen zu dem Parlamentanordnete, welches im September 1654 versammelt wurde. Allesberuhte ganz allein auf seiner Persönlichkeit. Von seiner Familie war,nach der wahren und trefflichen Schilderung derselben, welche dieFrau Hutchinson in ihren Denkwürdigkeiten gibt, kein einziges Gliedgeeignet, an einem Hofe, wie der Engländer ihn wünscht und bedarf,eine leidliche Rolle zu spielen *). Alles das hinderte den Protector

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