IX. Niederländische Geschichte von dem 1609 geschlos-senen Wnfsenjlillslande an bis zum Tode Wilhelms II-von Oranien (1650).
1. Entstehung des Sstreiteö und der Parteiung derRemonstranten und Contra-Remonstranten.
^ie sieben vereinigten Provinzen der Niederlande, welche seitihrem Abfalle von Spanien eine Republik bildeten, hatten 1609,unter der Leitung des Prinzen Moritz von Oranien und durchdie Bemühungen der französischen Regierung, von Spanien eine sehrauf Schrauben gestellte Anerkennung ihrer Unabhängigkeit und einenWaffenstillstand auf zwölf Jahre erhalten (s. Th. XIV., S. 34).Von diesem Augenblicke an ward die neue Republik eine Haupt-macht von Europa. Sie war jedoch dabei ein zugleich sehr reicherund sehr armer Staat. Die neue Republik hatte nämlich in demlangen Kriege mit Spanien als Staat große Schulden auf sich geladen,während dagegen die Bürger selbst durch Industrie, Handel, Schiff-fahrt, Mäßigkeit und Sparsamkeit das reichste Volk in Europa ge-worden waren. Diesen kamen auch die schweren Abgaben, die siezur Verzinsung der Staatsschuld zahlen mußten, wieder zu Gute,weil damals nur die Bewohner der sieben vereinigten Provinzender Niederlande oder, wie man nach ihrer Haupt-Provinz sie zunennen pflegt, die Holländer im Stande waren, ungeheuere Summenden eigenen und fremden Staaten, darzuleihen. Dagegen litt dieholländische Republik seit ihrer ersten Entstehung an einem unheil-baren Übel. Dieses bestand darin, daß sowohl in den einzelnenProvinzen, als in der Gesammt-Republik oder den Generalstaatenewige Reibungen und Streitigkeiten unvermeidlich waren, weil diefürstlichen Rechte, welche das Haus Oranien über ganze Grafschaften