3K0 Geschichte der neueren Zeit.
phälischen Frieden Östreich von Spanien, und setzte dann den Kriegmit diesem auch ohne Bundesgenossen fort.
Was den Krieg mit Spanien angeht, welchen Frankreich imBunde mit den sieben Provinzen der Niederlande seit 1635 führte,so sah Mazarin sehr gut die Unmöglichkeit ein, daß die Tag undNacht auf nichts als auf ihren Vortheil bedachten Holländerihm jemals behülflich sein würden, die wallonischen Niederlande anFrankreich zu bringen, was seine Absicht war. Die Prinzen Moritzund Friedrich Heinrich von Oranien beschränkten sich darauf, alledie Festungen der spanischen Niederlande zu erobern, welche ein Boll-werk für Holland bilden könnten; sie waren aber aus vielen Grün-den niemals anwesend, wenn eine entscheidende Feldschlacht geliefertwerden sollte. Der Kampf der Franzosen und Spanier in denNiederlanden war, obgleich nicht nur Richelieu, sondern sogar KönigLudwig XIII. selbst ins Feld gezogen waren, trotz der gebrachtengroßen Opfer ohne Entscheidung geführt worden; im Jahre 1643erschien aber dort ein Kriegsheld, welcher, so unwürdig und niedrig auchsein moralischer Charakter und Wandel war, von den Franzosen,besonders den politisch und theologisch Rechtgläubigen, noch jetzt gleicheinem Kriegsgotte verehrt wird. Dieser Held war der Sohn desunersättlich habgierigen Prinzen von Condv. Er hieß damals nochHerzog von Enghien, führte nach seines Vaters Tode (1646)den Namen Prinz von Condö, und ward, seit er für Ludwig XIV.Siege erfochten hatte, nur der große Co nds genannt (s. Th. XIV.,S. 484., 487—492. und 496.). Da große Feldherren, wie großeDichter und Mathematiker, nicht gemacht, sondern geboren werden,so könnten wir unö mit der bloßen Aufzählung von Enghien'sThaten begnügen; allein wir dürfen doch nicht ganz übergehen, daßdie Umstände der Entwickelung seiner natürlichen Anlagen sehr gün-stig waren, und daß er, gleich dem Marschall von Sachsen im acht-zehnten und Bonaparte im neunzehnten Jahrhundert, sein ganzesKriegs-System auf den National-Charakter der Franzosen gründete,oder mit anderen Worten daß er, wo es nur immer möglich war,den gewagtesten und kühnsten Angriff vorzog. Er war schon inse.inem zwanzigsten Lebensjahre bei einem Kriegszuge Ludwig's XIII.gegen Aire und Arras gegenwärtig gewesen, und hatte sich auch aufdessen Zuge nach Roussillon (s. Th. XIV., S. 485.) ausgezeichnet;