» Italien. Savoyen unter Karl Emanuel II. 307
desselben, Christina, einer Schwester Ludwig's XIII., streitig, undriefen die Spanier zu Hülfe (s. Th. XIV., S. 460 u. 462 f.). Diespanischen Statthalter von Mailand nahmen sich der beiden favoyi-schen Prinzen an; Richelieu aber schickte französische Feldherren,um der Herzogin Mutter beizustehen, oder eigentlich um Piemontund Savoyen auf dieselbe Weise an Frankreich zu reißen, wieLothringen an dieses geknüpft worden war. Die Herzogin zeigtegegen Richelieu's Zudringlichkeit einen männlichen Muth, behauptetedie Festung Montmelian und ließ ihren Sohn in dieselbe bringen,bis nach Richelieu's Tode der Streit über die Vormundschaft bei-gelegt und die beiden Prinzen abgefunden wurden. Dann kehrtesie (1645) mit ihrem Sohne nach Turin zurück; doch blieb auchnachher noch die Citadelle von Franzosen besetzt.
Der Krieg zwischen den Franzosen und den Truppen, welchedie spanischen Statthalter in Mailand gegen diese sandten, dauertein Piemont fort, bis ein neuer Krieg, welchen Pabst Urban VIII.und seine Neffen, Taddeo und Antonio Barberini, hervor-gerufen hatten, alle Staaten von Mittel-Italien in Bewegungbrachte. Den Zusammenhang dieses Krieges, welcher zugleich mitgeistlichen und weltlichen Waffen geführt ward, ausführlich zuerzählen, würde zu viel Raum erfordern; wir wollen daher nurdaran erinnern, daß das Herzogthum Parma für ein Lehen desrömischen Stuhles galt, und daß die Päbste auf dasselbe Ansprüchegründeten, von welchen die Herzöge des Landes nichts wissen wollten.Herzog Eduard I. und sein Vorgänger Rainuto I. (Ranucci I.)waren außerdem sehr verschuldet, und hatten gegen bedeutendeSummen, die sie in Rom aufgenommen hatten, die ihnen gehören-den Herrschaften Castro und Ronciglione zum Pfande gegeben.Diese an der Grenze des Kirchenstaates liegenden Herrschaftenwaren Lehen der Kirche, und wurden von Urban's VIII. Neffen, denBarberini, zum Kaufe gesucht. Da jedoch Herzog Eduard vonParma weder seine Herrschaften verkaufen, noch auch die verab-redete Vermählung eines der Barberini mit seiner Tochter voll-ziehen lassen wollte, so hetzten die Letzteren ihren Oheim, den sie,als er alt und schwach geworden war, unbedingt beherrschten, gegenden Herzog auf. Von dieser Zeit an suchte die päbstliche Regie-rung ihren Vasallen auf jede Weise zu ärgern und zu kränken.