Band 
[Fünfzehnter Band.]
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319
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Neapel uud Sicilien zu Mazarin's Zeit. ' 31g

Gelegenheit eines feierlichen Dankfestes, welches Masaniello in derKarmeliter-Kirche halten ließ. Als er nämlich in der Kirche wiegewöhnlich von einer Bühne herab eine Rede an das Volk hielt,erschien plötzlich eine Anzahl Banditen zu Pferde, ritt in die Kirchehinein und feuerte ihre Gewehre auf den Redner ab. Wir lassendie Zahl derselben unbestimmt; denn wir glauben weder, daß esfünfhundert, noch auch, wie Giannone und Muratori sagen, bloszweihundert gewesen sind. Auch die Zahl der um die Kircheversammelten Proletarier betrug schwerlich, wie man meldet,hundertundfünfzigtausend. Eine Art Wunder war es aber doch,daß die in die Kirche eingedrungenen Banditen insgesammt auf denRedner schössen und keiner ihn traf. Das Volk, welches bewaffnetum die Bühne stand, fiel sogleich über die Reiter her; Masanielloaber, der überhaupt eine furchtbare Polizei gegen alle Ruhestörerorganisirt hatte, übte von nun an eine blutige dictatorische Justiz.Diese traf zuerst die Brüder Caraffa, gegen welche einer der Ban-diten ausgesagt hatte. Der ' Eine von ihnen, der Herzog vonMontechiaro, rettete sich durch die Flucht; der Andere aber, Joseph(Peppo) Caraffa, ward enthauptet, sein Leichnam durch die Gassengeschleift und sein Haupt nebst denen vieler Anderen aus eine Pikegesteckt.

Dem Erzbischof gelang es gleichwohl, noch einmal eine Unter-handlung zwischen dem Vice-Könige und dem armen Fischer, welcherjetzt den Titel „Haupt des getreuen Volkes" führte, zu Stande zubringen. Das Ergebniß dieser Unterhandlung war ein zweiterförmlicher Vertrag, welcher ebenfalls in Lünig's Werk abgedrucktist. Jetzt wurde aber der in Neapel unumschränkt herrschendeVolks-Tribun, welcher die dortige Ritterschaft ebenso gedemüthigthatte, wie Cola Rienzi im vierzehnten Jahrhundert die römische,seinen Plebejern auf dieselbe Weise verdächtig, wie Rienzi denseinigen. Man beredete ihn boshafter Weise, sich nicht nur zueiner Zusammenkunft mit dem Herzoge de los Arcos in dessenPalast zu begeben, sondern dabei auch nebst seiner Frau in vor-nehmem Costüme zu erscheinen. Er legte also feine zerlumptenKleider ab, und verfügte sich mit seiner Frau in Silber und Seidegekleid et in den Palast. Dies gab ihm den letzten Stoß,

*) Wörtlich: Veste äi tels ä' srgcuto e csppello von peiinacktsra.