Band 
[Fünfzehnter Band.]
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322 Geschichte der neueren Zeit.

gebenö erwartet hatte, ankamen, dachte niemand mehr daran, demVolke Wort zu halten.

An der Spitze der aus Spanien gesandten Kriegsmacht standder jüngere Don Juan d'Austria. Dieser war ein Neben-SohnPhilipp's IV. von der Maria Caldervn, welche, da sie ihren früherenGeliebten, den Herzog von Medina Sidonia, nicht vergessen konnte,bald nach der Geburt ihres Sohnes in ein Kloster gegangen war.König Philipp hatte den Letzteren als Sohn anerkannt und ebenso, wieeinst Philipp U. seinen Halbbruder, Don Juan d'Austria genannt.Er hatte ihn nachher zum Groß-Prior von Castilien gemacht, undschickte ihn 1647 als Oberbefehlshaber eines Heeres und einerFlotte nach Sicilien und Neapel, um den dortigen Aufstand zuunterdrücken. Don Juan landete mit seinen zweiundzwanzig Kriegs-schiffen und vierzig Transport-Fahrzeugen zuerst an der Küste vonSardinien, und lief dann am 1. Oktober in den Hafen von Neapelein. Er ließ sich, da er als ein Mann von achtzehn Jahren dieLage der Dinge unmöglich richtig beurtheilen konnte, vorn Vice-Könige und von den spanischen Räthen leiten, und diese führtenihn auf einen falschen Weg. Seine freundliche und jugendlicheManier und Gestalt würden im Gespräche leicht obgesiegt haben;er weigerte sich aber, zu unterhandeln oder auch nur sein Schiff zuverlassen, wenn das Volk nicht vorher die Waffen niederlegt habeund alles Weitere der Gnade des Königs überlasse. Dies konnteum so weniger geschehen, weil derselbe Vice-König, der die Sachebetrieb, früher mehrmals Verträge mit dem Volke beschworen undnicht gehalten hatte.

Da die Spanier sich nicht getrauten, das zahllose bewaffneteVolk anzugreifen, so ward gegen den Rath des Kardinals Trivulziobeschlossen, an Schuldigen und Unschuldigen Rache zu nehmen, nach-dem man vorher die Neapolitaner durch treulose Versprechen zurNiederlegung der Waffen bewogen habe. Es wurde den Neapoli-tanern versprochen, daß die mit Masaniello geschlossenen Verträgegehalten werden sollten, wenn sie unbewaffnet als Bittende erschienen.Das Volk ließ sich dazu bereit finden, weil der von ihm gewählteFürst von Massa sie insgeheim den Spaniern verrathen hatte.Man erblickte hierauf in den Straßen nur weiße Fahnen, alsPlötzlich am 15. Oktober einige hundert Spanier feindlich in die