Band 
[Fünfzehnter Band.]
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Geschichte der neueren Zeit.

fordert, daß die Intendanten der Provinzen und alle Commissionen,welche nicht in den hohen Gerichtshöfen registrirt seien, entlassenwerden sollten. Man hatte noch hinzugefügt, daß über die Amts-verwaltung der Intendanten eine gerichtliche Untersuchung angestelltwerden solle; und die Räthe bestanden auf dieser Forderung, auchals der Hof in Betreff des ersten Punktes nachgegeben hatte. DerStreit dauerte daher bis zum Schlüsse der Berathungen fort. DerHerzog von Orleans spielte dabei auf eine sehr verdächtigeWeise den Vermittler. Die Regierung konnte nicht hindern, daßdie versammelten Parlaments-Räthe sogar einen Beschluß faßten,welcher das ganze Reich in die größte Verwirrung bringen mußte.Es wurde nämlich nicht allein beschlossen, daß die den Wucherernund Zollpächtcrn zugestandenen Wucherzinsen nicht bezahlt werdensollten, sondern sogar auch, daß alle und jede Gelderhebung, welcheblos auf ministerielle Verordnung ohne Bewilligung des Parlamentsvorgenommen werde, aufhören müsse.

Diese Heftigkeit des Parlaments und dessen Bestreben, sich ge-bieterisch zwischen die königliche Regierung und das Volk zu drängen,konnte zu nichts Anderem führen, als zu einer Aristokratie adeligerJuristen, welche ärger ist, als jede Minister-Despotie, weil dieLetztere keine Dauer haben kann. Mazarin verstand sich sogardazu, daß er den Finanz-Minister Emery, der doch ganz seineCreatur war, dem Hasse des erbitterten Volkes und Parlamentsaufopferte, und an seine Stelle einen Franzosen aus altem Ge-schlechte, den Marschall La Meilleraye, setzte. Dessen ungeachtetdauerten die Kabalen und die vom Coadjutor bewirkte künstlicheAufregung fort, und das Parlament nöthigte die schwache Regierung,einen streitigen Punkt nach dem anderen nachzugeben. Dabei erhielteine Anzahl vornehmer Jntriguanten, der elende Gaston von Or-leans oben an, Gelegenheit, eine Rolle zu spielen, und eine AnzahlParlaments-Räthe machte, wie wir es neuerdings auch in Deutschlandund in Frankreich gesehen haben, die Redner, obgleich sie eigentlich nurvom Haufen bewunderte Schreier waren. Unter den Letzteren zeichnetesich besonders Broussel aus, welcher im Parlament das große Wortführte und in Paris für einen Mann des Volkes galt. BeidenTheilen war es offenbar mit einer Versöhnung nicht ernst. Auchwaren alle Zugeständnisse des Hofes so gefaßt und clausulirt, daß