35«
Geschichte der neueren Zeit.
die Herzöge von Longueville, von Elboeuf, von Brissacund von Bouillon und der Marquis de laBoulaye. Auchder Prinz von Conty ließ sich, wie bereits bemerkt worden ist,damals durch den Coadjutor bewegen, mit den Unzufriedenen ge-meine Sache zu machen. Ebenso ergriff der Herzog von Beau-fort die Gelegenheit, um sich an Mazarin zu rächen. Die Parisererwählten den Prinzen von Conty zu ihrem Generalissimus;Elboeuf aber, Bouillon, Brissac und de la Mothe-Hou-dancourt, der sich längst aus seiner Haft gerettet und bisher ver-borgen gehalten hatte (s. S. 303), wurden vom Parlament er-nannt, um als Generallieutenants unter ihm zu dienen. DieParlamente von Air und Rouen schloffen sich an das Parlamentvon Paris an. Die Herzogin von Longueville war undblieb der Mittelpunkt der Unruhen; sie wohnte auf dem PariserStadthause. Die vielköpfige Regierung der Juristen, Stadträtheund großen Herren war jedoch einem General wie Condv im Feldenicht gewachsen. Dieser schlug die Truppen des Parlaments, wosie sich zeigten, und brachte es dahin, daß schon im Februar diePariser Mangel litten. Die Letzteren verloren freilich, so lange er nochnicht alle Wege nach Paris besetzt hatte, den Muth nicht; als diesaber geschehen war, nahmen sie die Vermittelung des Herzogs vonOrleans an, und ließen sich die Vorschläge der Königin gefallen,welcher das Protectvrat des Prinzen von Conde sehr lästig zuwerden begann.
Nach einer langen Reihe von Kabalen und Winkelzügen kamman endlich in den letzten Tagen des Februar überein, daß Com-missäre der Königin und der Pariser am 4. März im Schlosse vonRüel über den Frieden unterhandeln sollten. Als diese Versammlungeröffnet wurde, fand sich, daß unter den von der Königin ernanntenCommiffären auch der vom Parlament verbannte und geächteteKardinal Mazarin sei. Dies gab Anstoß, weil das Parlamentnicht zugeben wollte, daß seine Bevollmächtigten mit Mazarin inBerührung kämen. Man half sich damit, daß von den vier Be-vollmächtigten eines jeden Theiles blos zwei persönlich die Unter-handlungen führen sollten. Schon in acht Tagen kam es'zu einerÜbereinkunft; und der erste Präsident Mols, der in dieser ganzen Zeitdurch Müh und Thätigkeit sich große Verdienste erworben und der