Band 
[Fünfzehnter Band.]
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Holland, Frankreich und England zu de Wltt's Zeit. 427

die er, wie er sagte, gegen den Bischof von Münster schicken wolle,nachher aber doch nicht schickte. De Witt, der ihm ebenfalls nichttraute, sagt in seinen Briefen, daß dieser große Kurfürst viele Ver-träge schließe, aber wenige halte. Friedrich Wilhelm hielt sich da-mals in Eleve aus, und seine Diener, sowie vielleicht auch er selbst,zogen viel Geld vom englischen und kaiserlichen Gesandten, bisendlich Ludwig diese überbot. Der französische Gesandte gewanndie Kurfürstin durch eine Perlenschnur, welche zehntausend Thalerwerth war, und durch das Ameublement eines Zimmers, welcheshunderttausend Livres kostete. Erst dann (seit Februar 1666)handelte endlich der Kurfürst wirklich für die Holländer. Daßhierauf im April 1666 der Bischof Bernhard von Münster ge-zwungen ward, von seinen überspannten Forderungen abzustehenund sein Heer abzudanken, ist bereits oben (S. 384) angegebenworden.

De Witt blieb innig mit Frankreich verbunden und bot Allesauf, um den englischen Einfluß in der Republik zu schwächen undseine Partei am Ruder zu halten. Aus diesem Grunde nahm ersich sogar der Sache des Prinzen Wilhelm an, und bemächtigte sichauf einem Seitenwege der Erziehung desselben. Er söhnte sichnämlich zuerst mit Wilhelm's Mutter, deren Feind er bisher stetsgewesen war, völlig aus, rieth ihr dann, die Staaten von Hollandnoch einmal um die Leitung der Erziehung ihres Sohnes zu er-suchen, und bewirkte hierauf, daß der Prinz im April 1666 alsKind des Staates anerkannt, und er selbst nebst dem ganzfranzösischen Baron van Ghent zum Oberaufseher seiner Erziehungund Bildung ernannt wurde.

Diese Erziehung und Bildung wurde von de Witt vortrefflichgeleitet, wie sich schon aus dem Umstände von selbst ergibt, daßHolland damals der Zufluchtsort jeder freien Wissenschaft, sowie einHauptsitz der klassischen Gelehrsamkeit, aller bürgerlichen Tugendenund der Einsicht in Handels- und Staatswissenschaften war. Inalle diese Dinge wurde Prinz Wilhelm von de Witt praktisch ein-geführt. Wir stimmen jedoch mit den Schriftstellern nicht überein,welche dem Prinzen Wilhelm dafür eine Last von Dankbarkeit auf-geladen haben. De Witt war allerdings ein großer Mann; erregierte in Europa, in beiden Indien, auf den Meeren und Inseln,