Band 
[Fünfzehnter Band.]
Seite
472
JPEG-Download
 

472 Geschichte der neueren Zelt.

nicht zur Freilassung Fürstenberg's verstehen wollte, welche KönigLudwig zur ersten Bedingung des Friedens gemacht hatte. Flassanhat daher auch in seiner Geschichte der französischen Diplomatie derGeschichte Fürstenberg's eine ausführliche Behandlung gewidmet.

Während dieser Friedensverhandlungen dauerte der Krieg fort.Die Franzosen hatten 1674 drei Heere im Felde. Das eine standunter Türenne's Commando am Ober-Rhein; das zweite wardvon Condö gegen Wilhelm III. von Oranien geführt, welcher alsOberbefehlshaber der vereinigten spanischen und niederländischenTruppen in Brabant stand; an der Spitze des dritten entrißKönig Ludwig selbst den Spaniern innerhalb weniger Wochen dieganze Franche Comtö. Die furchtbarsten Gegner der Franzosen bliebenWilhelm III. von Oranien und der große Kurfürst, weilsie ernste und tüchtige Männer waren, welche nicht, gleich allenanderen Fürsten, sich und das Volk einem hohen Adel oder pedanti-schen Juristen preisgaben. Wilhelm III. war, nachdem die Fran-zosen im Februar 1674 Holland und Seeland geräumt hatten,Erbstatthalter und General - Kapitain beider Provinzen und,als bald darauf die Franzosen aus Utrecht abgezogen waren,auch Erbstatthalter dieser Provinz geworden. Im folgenden Jahrebot Geldern ihm sogar die Souverainität an; er war aber zu'klug,um diese anzunehmen, stellte vielmehr in Geldern und Over-Isseldie Staaten wieder her, trug aber dort, wie überall, Sorge dafür,daß nur seine Anhänger in denselben einen Sitz erhielten. Alsim Sommer des Jahres 1674 Conde gegen ihn heranzog, lieferteer demselben am 11. August mit dem vereinigten spanischen undniederländischen Heere ein Treffen, während dessen er auch diekaiserlichen Truppen unter de Touches an sich zog. In diesemunweit Löwen beim Dorfe S egr effe gelieferten^ Treffen j konnteWilhelm jedoch nichts ausrichten, weil ihm ein General, wie deralte Conde war, gegenüberstand, und weil de Touches ebenso wenigEifer zeigte, wie Bournvnville. Das blutige Treffen blieb ohneEntscheidung, obgleich die Franzosen, welche mehr Beute und Ge-fangene als ihre Gegner machten, sich des Sieges rühmten. Toucheszog nach demselben vor Grave, Wilhelm vor Hup; die Franzosenerhielten aber bald darauf sehr bedeutende Verstärkungen.