Band 
[Fünfzehnter Band.]
Seite
622
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K22 Geschichte der neueren Zeit.

Jahrhunderts, der Otto-Heinrichs-Bau, zum zweiten Male arg mit-genommen.

Auch in dem ganzen Landstriche von Stuttgart an bis nach Darm-stadt raubten, mordeten und brannten die Franzosen, da das Reichs-heer gegen die mit dem Heere des Dauphin vereinigten Truppendes Marschalls de Lorges nicht stark genug war. Der Letzterewurde endlich, als er das Lager des Markgrafen Ludwig bei Heil-bronn stürmend angriff, mit großem Verluste zurückgeschlagen, undmußte über den Rhein zurückgehen. Im folgenden Jahre (1694)wiederholte er seinen Angriff auf den Markgrafen Ludwig; erwurde aber aufs neue mit Verlust zurückgeschlagen, und Ludwigfolgte ihm dann über den Rhein nach. Unglücklicher Weise war je-doch im April 1694 Johann Georg IV. gestorben, und der säch-sische Simson, Johann Georg's Bruder, Friedrich August I.,ein Fürst ohne Herz und Gemüth, sowie ohne Sinn für Recht undVaterland, war ihm nachgefolgt. Die Sachsen durften also imSeptember die Franzosen nicht weiter verfolgen, und der Markgrafmußte sich in sein befestigtes Lager bei Heilbronn zurückziehen.

Im Jahre 1695 ward statt des Herzogs von Lürembourg,welcher im Januar gestorben war, der Günstling des Königs und derMaintenon, der Marschall Villeroi, zum Oberbefehlshaber desfranzösischen Heeres in den Niederlanden ernannt. Dieser war nichtim Stande, die Einnahme der Festung Namür zu hindern; er mußtevielmehr mit ansehen, daß dieselbe von Wilhelm III. genommenward. Er beschoß dafür zwei Tage lang die Stadt Brüssel. ImJahre 1696 gingen die Franzosen bei Philippsburg über den Rhein.Ludwig von Baden dagegen überschritt seinerseits den Rhein beiMainz. Da jedoch der General Thüngen, welcher die Franzosen imRücken hatte fassen sollen, dies nicht zu thun wagte, so bezogen die-selben bei Neustadt an der Haardt ein festes Lager, welches dannvom Markgrafen bombardirt wurde. Im folgenden Jahre entsagteWilhelm III., da die deutschen Fürsten, welche damals wie immerihre besten Truppen an die Niederlande vermietheten, nichts für ihrVaterland thaten, der Hoffnung, seinen Zweck vollständig zu erreichen,und ging auf die von Frankreich gemachten Friedensvorschlägeein. Ludwig XIV. hatte nämlich diesen Weg eingeschlagen, damit erbei der Erledigung des spanischen Thrones seine Ansprüche an den-