Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Itz Geschichte der neueren Zeit.

rung in Europa zu sein. Die Macht und das Ansehen, welchesGodoy am spanischen Hofe sich verschaffte, übertrifft alles das, wasfürstliche Günstlinge sogar unter Ludwig XV. in Frankreich undunter Katharina II. in Rußland erlangt haben. Godoy hatte eineCousine des Königs zur Gemahlin erhalten, genoß trotz der strengenEtikette, welche gerade am spanischen Hofe eingeführt war, dieVorrechte der königlichen Prinzen, hatte zu seiner Bewachung einefür ihn allein bestimmte Garde, und war nicht nur zum Herzogevon Alcudia ernannt, sondern auch mit dem fürstlichen Titel ausge-stattet worden, den noch nie ein geborener Spanier getragen hatte.Er war außerdem Generalissimus des Heeres, und besaß alle höchstenAmter des Reiches. Durch ein besonderes Decret war er noch dazuzum dirigirenden Minister oder vielmehr zum Vormund (OoimultnäorZenersI) des Königs ernannt worden. Da er im höchsten Gradeausschweifend, prachtliebend und verschwenderisch war, so hatte ersich nicht nur einen Theil der königlichen Domänen als Geschenkzuerkennen lassen, sondern er benutzte auch seine Stellung zu Börsen-Speculationen, und machte Amter, Würden und Gunstbezeugungenkäuflich. Doch hat er nicht, wie sonst Seinesgleichen thun, Schätzefür den Fall seines Sturzes in Sicherheit gebracht; denn er lebte,nachdem er endlich aus Spanien vertrieben worden war, bis zuseinem vor einigen Jahren erfolgten Tode in Armuth.

Vermittelst dieses Mannes bewog Bonaparte, welcher im Oktober1800 seinen Bruder Lucian als Gesandten nach Madrid geschickthatte, die spanische Regierung zur Theilnahme an einem Raubzugegegen Portugal. Es ward nämlich zwischen Frankreich und Spanienein Staatsvertrag abgeschlossen, nach welchem Portugal durch dieTruppen beider Staaten unterworfen und dann ebenso wie früherPolen getheilt werden sollte. Das zu diesem Unternehmen ausge-rüstete spanische Heer ward von Godoy selbst befehligt. Zum An-führer des französischen Heeres ernannte Bonaparte absichtlich dendurch Unbeugsamkeit des Willens ausgezeichneten Gouvion St. Cyr,weil er mit Recht einem Manne nicht traute, welcher insgeheim'auch mit England eine Verbindung unterhielt, und dessen König derSchwiegervater des Regenten von Portugal war. Godoy wußtejedoch der ganzen Sache schon vor dem Eintreffen der französischenTruppen ein Ende zu machen. Er erklärte den Portugiesen schnell