Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Frankreich. Bonaparte und die italiänische Republik. 83

berathen, oder vielmehr um Cisalpinien in eine unter Bonaparte'sHerrschaft stehende Monarchie umzuwandeln, und dadurch zugleichdie Franzosen an den neuen Erbherrn zu gewöhnen, welcher diesendemnächst gegeben werden sollte. Die Sache hatte große Schwie-rigkeiten, weil die Jtaliäner auf ihre Nationalität hielten, und des-halb nicht einmal der bloßen Form nach französische Unterthanenwerden wollten. Bonaparte überwand jedoch diese Schwierigkeitendurch zwei fein ausgedachte Mittel. Er köderte nämlich die Lom-barden durch die Aussicht auf ein italiänisches National-Reich, welchebis zum heutigen Tage die Gemüther der Jtaliäner ebenso entzückt,wie eine ähnliche Hoffnung die der Polen. Außerdem ersah er sicheinen geborenen Jtaliäner, der ihm, während er selbst unter demTitel Präsident Beherrscher von Ober-Italien sein wollte, als Vice-Präsident zur Seite stehen sollte. Dieser Mann war der GrafMelzi. Er besaß alle die Eigenschaften, welche sowohl Bona-parte's Interesse, als auch das der Jtaliäner erheischte; denn erwar ein vollkommener Hofmann, und stand zugleich bei seinen Lands-leutcn in großem Ansehen, da er nicht nur schon unter MariaTheresia Kammerherr gewesen war, sondern auch die cisalpinischeRepublik auf dem Nastädter Kongreß vertreten hatte, und überdiesals Besitzer der Herrschaft Erile zu den Granden von Spaniengehörte.

Zur Ausführung des von Bonaparte entworfenen Planes wur-den die Rollen so vertheilt, daß Talleprand und Chaptal, vondenen jener Minister des Äußeren, dieser des Inneren war, dieHerren der Consulta durch die Pariser Künste der Unterhaltungund Bewirthung gewinnen sollten, daß aber Bonaparte selbst erstim Januar 1802 nach Lpon kommen wollte, um die Sache zumSchlüsse zu bringen. Bonaparte bezauberte durch seine Persönlich-keit und seine scheinbar Alles durchschauende Staatsweisheit dielombardischen Aristokraten ebenso, wie ein Jahr später die nachParis berufenen vornehmen Schweizer. Dessenungeachtet zeigten sichdie schlauen Jtaliäner nicht geneigt, das Oberhaupt des französischenVolkes zum Präsidenten ihres Staates zu erwählen. Talleprandnahm daher seine Zuflucht zu einem jener diplomatischen Kniffe, aufdie er sich so gut verstand. Als nämlich Bonaparte am 26. Ja-nuar über die aus Egypten zurückgekehrten Truppen Heerschau hielt,