Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
Seite
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86 Geschichte der neueren Zeit.

Östreicher in Kenntniß setzten, während sein eigener Kriegsplan denFeinden verborgen blieb.

In Italien hatten sich die Franzosen nur gegen Neapel zudecken, welches zwar theilweise von ihren Truppen besetzt war,dessen leidenschaftliche Königin aber mit Östreich, Rußland undEngland insgeheim verbunden war. Napoleon wollte anfangs nochvor dem Beginne des Krieges dem Bourbonen-Reiche in Neapelein Ende machen. Er besann sich jedoch bald eines Anderen, undschloß mit Neapel am 21. September einen Vertrag, durch welchendieses sich zu einer vollständigen Neutralität, sowie Frankreich zurZurückziehung seiner Truppen verpflichtete. Dies gewährte demfranzösischen Kaiser den Vortheil, daß er die zwanzigtausend Mann,welche unter Gouvion St. Cyr im Neapolitanischen standen, inOber-Italien verwenden konnte.

Die Östreicher begannen den Krieg, noch ehe die Russen sich mitihnen vereinigt hatten. Sie brachen am 9. September unter demErzherzog Ferdinand und dem General Mack in Baiern ein,um den Kurfürsten Mar Joseph durch plötzlichen Überfall zumAnschlüsse an die Coalition zu zwingen und sein Heer dem ihrigeneinzuverleiben. Sie hatten sich aber vorher von dem baierischen Ka-binet durch Unterhandlungen so lange hinhalten lassen, daß sie erstdann in München einrückten, als der Kurfürst und sein Heer sichbereits durch das neutrale fränkisch-preußische Gebiet in das Würz-burgische gerettet hatten. Eine östreichische Abtheilung setzte den Baiernmit Verletzung des preußischen Gebietes nach, konnte sie aber nichtmehr einholen. Die Östreicher drangen von München nach der oberenDonau hin weiter vor, und stellten sich, sechszigtausend Mann stark,bei Ulm auf, um die Franzosen zu erwarten, welche, wie sie meinten,über den Schwarzwald in Baiern einbrechen würden. Sie hattensich also, anstatt die Ankunft des russischen Heeres abzuwarten, vondiesem sehr weit entfernt und völlig isolirt. Von den Russen wardamals erst die eine Abtheilung unter Kutusow in Mähren ange-kommen; die andere unter Burhövden befand sich noch in Polen.Das eigentliche Hauptheer der Östreicher stand an der Etsch. Es warhunderttausend Mann stark, und wurde vom Erzherzog Karlbefehligt, welcher den ganzen in Wien entworfenen Feldzugsplan,besonders aber das Vordringen des Erzherzogs Ferdinand und