Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Frankreich. Dritter Eoalitious-Krteg. 88

Herren seiner Generalität hätte durchsetzen können, sich mit seinergesammten Macht durchschlagen und wenigstens die Ehre seinerArmee retten sollen. Statt dessen ließ er, blos um den ErzherzogFerdinand zu retten, vierundzwanzigtausend Mann mit diesemnach Böhmen abziehen. Eine solche Macht war zu schwach, um sichdurchschlagen zu können. Auch brachte Ferdinand wirklich nur wenigetausend Mattn nach Böhmen.

An demselben Tage/ an welchem Ferdinand aus Ulm zog (14.Oktober), hatte General Landon, einer der besseren Ober-Officiredes östreichischen Heeres, bei Elchingen ein unglückliches Gefechtmit dem Marschall Ney, welches für die Eroberung von Ulm soentscheidend war, daß Napoleon dem Marschall Nep später denTitel eines Herzogs von Elchingen verliehen hat. Am folgendenTage ließ Napoleon den General Mack zur Übergabe der StadtUlm auffordern. Für die Franzosen war damals jeder Tag äußerstkostbar; denn Kutusow eilte in starken-Marschen aus Mähren her-bei, Erzherzog Karl hatte dreißig Bataillone seines Heeres nachBaiern abgeschickt, und Erzherzog Johann konnte in Tyrol nicht eherangegriffen werden, als bis Ulm erobert war. Napoleon mußtealso Alles aufbieten, damit Ulm sobald als möglich in seine Händefalle. Dies war nicht schwer zu erreichen, da der Oberbefehlshaberder Östreicher den beschränkten Geist eines Unter-Officiers und denschwachen Sinn eines Mannes ohne Selbstbewußtsein besaß. Na-poleon schickte am Abend des 15. Oktober einen Obersten vonAdel und von vornehmen Manieren nach Ulm, welcher sowohl mitden hochadeligen Herren der Garnison auf die rechte Weise zusprechen, als auch dem Oberfeldherrn durch drohende und prah-lende, wie durch freundliche Worte beizukommen wußte. Mack ließsich in der That durch denselben täuschen und einschüchtern; dennan Bestechung und Verrath war bei ihm nicht zu denken. Erschickte einen der vornehmsten Officiere seines Heeres, den FürstenMoritz vonLichtenstein, ins französische Haupt-Quartier. Diesemwußte Napoleon durch seine bekannte Liebenswürdigkeit die Meinungbeizubringen, daß er nur aus Theilnahme an dem Schicksale derbraven östreichischen Truppen eine schnelle Capitulation wünsche.Als sich hierauf Mack sträubte, die von Lichtenstein überbrachten Be-dingungen anzunehmen, ließ Napoleon ihm damit drohen, daß er