158
Geschichte der »eueren Zeit.
Herrschermacht an Selim I!I. zurückzugeben. Als Mustapha's Ant-wort zu lange ausblieb, drang er stürmend gegen das Serail vor.In diesem Augenblicke wurde ihm aber der Kopf des auf Mustapha'sBefehl ermordeten Selim über die Mauer herab entgegengeworfen.Er erstürmte hierauf das Serail, setzte Mustapha einstweilen ge-fangen, rief dessen jüngeren Bruder als Sultan aus, und ließalle diejenigen, welche unter Mustapha an der Regierung Antheilgehabt hatten, ums Leben bringen.
Der neue Sultan, Mahmud II., war eine bloße Creatur Bai-ractar's, welcher sogleich zu dessen Großvezier ernannt wurde.Dieser ließ Selim's Heereseinrichtungen wiederherstellen, und ver-einigte bei Constantinopel eine sehr bedeutende Kriegsmacht, ohnedaß jemand erfuhr, zu welchem Zwecke dieselbe bestimmt sei.Er konnte sich jedoch nicht lange behaupten, weil die Neuerungenim Heerwesen sowohl den Janitscharen, als dem ganzen alt-gläubigen Pöbel der Hauptstadt ein Gräuel waren. Schon am14. November erhob sich die erbitterte Menge zu einem allge-meinen Aufstande, und Bairactar entging dem Tode nur dadurch,daß er in ein zur Aufbewahrung von Pulvervorräthen dienendesHaus floh. Als er in diesem angegriffen wurde, und trotz derhartnäckigsten Gegenwehr sich nicht länger zu vertheidigen vermochte,ließ er den abgesetzten Sultan Mustapha umbringen, und sprengtedann sich und seine Verfolger in die Lust. Die Janitscharen undder Pöbel hausten nachher noch mehrere Tage lang raubend undmordend in der Stadt. Sie würden auch den Sultan Mahmud ge-tödtet haben, wenn dieser nicht der einzige übrige Prinz vom HauseOsman's gewesen wäre. Mahmud durste jedoch nur solche Leute,welche die Gunst der Ulemas und der Janitscharen besaßen, zuMinistern annehmen, und mußte in einer Proclamation die Jesuitendes Islam und die mordenden Janitscharen für die alleinigen Stützendes Reiches erklären.