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Geschichte der neueren Zeit.
worden war. Dies sah der sonst am Herkommen klebende KönigFriedrich Wilhelm ein. Er vertraute sich daher endlich Männernan, welche nicht blos Muth, Kraft und praktische Thätigkeit, sondernauch Ehrlichkeit und wahrhaft nationalen Sinn besaßen. SolcheMänner waren der Freiherr von Stein, Scharnhorst, Gnei-senau, Schladen und mehrere Andere. Diese, besonders die bei-den Ersteren, erwarben sich seit dem Jahre 1807 unsterbliche Ver-dienste um Preußen, sowie dadurch mittelbar um ganz Deutschland.Friedrich Wilhelm hatte gleich nach der Unterzeichnung des TilsiterFriedens seine alten Minister verabschiedet, und die Geschäfte einerin Memel ernannten Jmmediat-Commission übertragen. An dieSpitze dieser Behörde stellte er im Oktober 1807 den Freiherrnvon Stein, einen zwar barschen, eigensinnigen, despotischen undsteif orthodoren, aber auch ehrlichen, geschäftskundigen, furchtlosenuneigennützigen und national-gesinnten Mann. Für die Wiederher-stellung und neue Einrichtung des Kriegswesens wurde eine andereCommission eingesetzt, in welcher Scharnhorst, der nachher Kriegs-Minister ward, Gneisenau und Grolmann, unterstützt von Stein,eine völlige Umbildung des Heeres zu Stande zu bringen wußten.Die damals in dem Gemeindcwesen und in allen Zweigen derStaatsgeschäfte vorgenommenen Verbesserungen, welche bei der all-gemein herrschenden Schlaffheit gerade ein Mann von so starrem,heftigem, stolzem Sinne, wie Stein war, am besten durchzuführenvermochte, erhielten erst später Festigkeit und Bestand, als Harden-berg im Juni 1810 mit Napoleon's Erlaubniß wieder an die Spitzedes Ministeriums treten durste. Wir werden daher auch die neuenCivil-Verbefferungen, welche Preußen diesen beiden Männern ver-dankt, erst weiter unten andeuten.
Das Kriegswesen wurde bald nach dem Tilsiter Frieden vonScharnhorst, Gneisenau und Grolmann fest und bleibend ge-ordnet. Das bisherige Werb-System wurde abgeschafft und die all-gemeine Wehrpflicht eingeführt. Dem Adel ward sein ausschließ-liches Anrecht auf die höheren Officier-Stellen entzogen. Dieschimpflichen Strafen, denen bis dahin der gemeine Soldat unter-worfen gewesen war, wurden beseitigt. Die Misbräuche, die sichseit langer Zeit in der Heeres-Einrichtung, der Verpflegung, Kleidungund Leitung der Truppen eingeschlichen hatten, wurden ausgerottet.