188 Geschichte der neueren Zeit.
gewendet, um eine Verstärkung von zehntausend Mann, welche unterBaird's Führung am 11. November bei Corugna gelandet war,an sich zu ziehen und dann den in jener Provinz stehenden MarschallSoult anzugreifen. Er gerieth jedoch bald in eine bedenkliche Lage,weil auf der einen Seite Jünot's ganzes Corps von Burgos hergegen ihn heranzog, und auf der anderen Napoleon ihm den Wegnach Portugal zu verlegen suchte. Napoleon wiederholte damalsdas Wagestück, das er beim Übergang über den St. Bernhard undbeim Ersteigen der Somma Sierra gemacht hatte. Er zog mittenim harten Winter (am 23. December) in das unwegsame Guadar-rama-Gebirg, und überstieg dasselbe mit großem Verluste an Leuten,welche der furchtbaren Kälte, dem Mangel oder der Anstrengungbeim Bahnen der Wege erlagen. Er kam jedoch zu spät; dennMoore hatte auf die Nachricht, daß Napoleon von Madrid nachNordwesten hin aufgebrochen sei, den Rückzug angetreten. In derGegend von Benavente holten am 29. December einige französischeSchwadronen den Nachtrab der Engländer ein, sie wurden abersogleich inne, daß es etwas Anderes sei, mit spanischen oder mitenglischen Truppen zu thun zu haben. Sie mußten nämlich mitVerlust zurückweichen, und ihr Führer, der General Lefebvre Des-noucttes, gerieth in Gefangenschaft. Moore setzte hierauf seinenRückzug nach dem Hafen von Corugna fort. Napoleon überließdie Verfolgung der Feinde dem Marschall Soult, weil er am 2.Januar 1809 die Nachricht erhielt, daß Östreich im Begriff sei, denKrieg mit ihm zu beginnen. Er begab sich aus diesem Grunde zu-nächst nach Valladolid. Dort ertheilte er schnell die nöthigen Be-fehle für die spanischen Angelegenheiten, ordnete zugleich die Rüstun-gen für den östreichischen Krieg an, und reiste dann am 17. Januarvon Valladolid ab. Schon am 23. Januar kam er in Paris an.
Moore machte, Verfolgt von Ney und von Soult, einenallgemein bewunderten Rückzug. Obgleich er nämlich einen großenTroß mit sich schleppte, und in sehr heftiger Kälte durch unwegsameGegenden ziehen mußte, so hielt er doch sein aus geworbenen Leutenaller Art bestehendes Heer in so streitfähigem Stande beisammen,daß seine Verfolger ein Treffen, das er ihnen am 8. und 9. Januarbei Lugo anbot, nicht anzunehmen wagten. Freilich wirkte dabeiauch die gegenseitige Eifersucht der feindlichen Führer mit, welche