Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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222 Geschichte der neueren Zeit.

den Augenblicke sich selbst überlassen. Dazu kam nun. noch, daßJohann mit seinem Bruder, dem Erzherzog Palatinus Joseph,welcher die Ungarn ihm zugeführt hatte, uneinig war, und daßkeiner von Beiden die Befehle des Anderen befolgen wollte. Alsdaher der Vice-König Eugen am 14. Juni die Ostreicher bei Raabangriff, wurden diese nach kurzem Kampfe geschlagen und Johann'sAbsicht vereitelt. Acht Tage später wurde das befestigte Raab,welches nicht hinlänglich mit Munition versehen war, den Franzosenübergeben. Dagegen behauptete sich Preßburg unter dem Com-mando Bianchi's gegen Davoust, welcher diese Stadt belagerteund Ende Juni den schönsten Theil derselben, ohne daß er selbstden geringsten Nutzen davon hatte, zusammenschießen ließ. Johannzog sich nach Komorn zurück, und konnte nicht mehr daran denken,die Verein» gung mit seinem Bruder Karl, welcher im Juni eineentscheidende Schlacht liefern wollte, anders als auf dem linkenDonau-Ufer zu suchen. Bald nachher erhielt er von Karl den Be-fehl, auf das rechte Ufer zurückzugehen und die Franzosen, die sichzum Behuf des Donau-Überganges bei Wien zusammenzogen, inVerlegenheit zu setzen; er zauderte und zögerte aber, bis es zuspät war. Ebenso kam er, als ihn sein Bruder endlich zur Theil-nahme an der entscheidenden Schlacht herbeirief, wieder um fasteinen Tag zu spät. Man hat ihn damit entschuldigt, daß sein BruderKarl sich mehrere Tage hindurch einen Wechsel in seinen Planenund Befehlen habe zu Schulden kommen lassen. Übrigens gehorchteauch der General Hitler dem Oberbefehlshaber nicht unbedingt; erlegte sogar in einer Zeit, wo ein General wie er sehr nöthig war,sein Commando nieder.

Gegenüber den immer wiederkehrenden Nachlässigkeiten der öst-reichischen Heerführer, ihrer Zwietracht unter einander, ihrem Schwan-ken und Zaudern und der Langsamkeit, mit welcher Alles vollzogenwurde, erscheint die Thätigkeit Napoleon's und seiner Generale, dieEinheit und Sicherheit in ihren Unternehmungen und der Geist,welcher alle Theile des französischen Heeres durchdrang, im glän-zendsten Lichte. Dieser Contrast zeigt sich nirgends auffallender, alsin den Anstalten, welche Napoleon im Juni und am Anfange desJuli zu einer neuen entscheidenden Schlacht traf. Er/ wußte biszum letzten Augenblicke den Erzherzog Karl über den Punkt, wo die