Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
Seite
237
JPEG-Download
 

Spanien und Frankreich, Krieg von 1809 bis 1812. ZZ7

Der von Soult, Ney, Victor und Lapisse gemachte Ver-such, die Engländer wieder aus Portugal zu vertreiben, mislanggänzlich. In jenem Lande hatten nämlich die Engländer an ArthurWellesley (Wellington) einen Mann zum Oberbefehlshaber,welcher ganz allein von allen europäischen Generalen mit Napoleonverglichen zu werden verdiente. Außerdem war von den Engländernund mit ihrem Gelde eine neue portugiesische Armee geschaffenworden, welche englische Officiere, englische Verwaltung und Dis-ciplin hatte, und einen Engländer, Lord Beresford, zum Befehls-haber erhielt. Endlich ward den Franzosen auch die in ihren Heerenherrschende Unzufriedenheit und die unter ihren Führern bestehendeZwietracht und Eifersucht verderblich. In Hinsicht auf das Ersterewissen wir, daß manche Generale mit den Engländern in eine ver-dächtige Correspondenz traten, und daß Napoleon sich genöthigt sah,viele Officiere abzusetzen und verhaften zu lassen. In Betreff desLetzteren aber wirft mau besonders dem Marschall Ney vor, daß erabsichtlich Soult nicht gehörig unterstützt habe, während zugleich auchdieser mancher Nachlässigkeiten und Zögerungen beschuldigt ward,welche ihren Grund darin gehabt haben sollen, daß er nach der por-tugiesischen Krone getrachtet habe.

Am 10. März 1809 drang Soult in Portugal ein, und am 29.eroberte er die Stadt Oporto, welche bei dieser Gelegenheit ebensoschrecklich mishandelt wurde, wie im November 1806 Lübeck (s.S. 125).Er wurde jedoch von Victor und Lapisse nicht unterstützt, gerietstEnde April sogar in Gefahr, durch Wellesley abgeschnitten zu wer-den, und zog sich deshalb schnell wieder nach Spanien zurück, mußteaber dabei einen großen Theil seines Heeres, sowie die Kriegskaffe,das Gepäck und die Artillerie aufopfern. Wellesley folgte ihm aufdem Fuße nach, und würde die Franzosen schon damals ganz ausSpanien vertrieben haben, wenn die Spanier sich gleich den Portu-giesen hätten militärisch organisiren und unter englischen Oberbefehlstellen lassen. Dies wurde wirklich von ihnen verlangt; sie gingenaber mit Recht nicht darauf ein, weil sie sonst von der englischenHülfe für die Zukunft ebenso viel zu besorgen gehabt hätten, alsvon deu französischen Angriffen für die Gegenwart. Alle Städteund Länder nämlich, in welchen die Engländer sich festsetzen, ver-lieren ihre nationale Existenz, und die Interessen derselben werden,