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Rußland und Frankreich 1809 bis 1811.
im December 1810 Statt gefundene Einverleibung der deutschenNordsee-Küste in Frankreich erbittert, da bei dieser Gelegenheit auchein Angehöriger des russischen Kaiserhauses, der Herzog von Olden-burg, seines Erbes beraubt wurde (s. S. 261). Andererseits thatAlexander in demselben Monat einen Schritt, welcher gewissermaßenals eine Aufkündigung seines Bündnisses mit Napoleon angesehenwerden konnte. Er erklärte nämlich am 19./31. December 1810die Einfuhr von Colonial-Waaren in Rußland auf neutralen Schiffenfür erlaubt, und machte zugleich einen neuen Zoll-Tarif bekannt, inwelchem manche französische Waaren verboten, andere hoch besteuertwaren. Von diesem Augenblicke an standen sich beide Kaiser feind-lich gegenüber, wenn gleich der Schein des Friedens noch anderthalbJahre lang gewahrt wurde.
Während des ganzen Jahres 1811 wurden zwischen beidenKaisern Unterhandlungen gepflogen, die sich hauptsächlich auf dieEinziehung des HerzogthumS Oldenburg und auf den Ukas wegender Zölle bezog.n. Napoleon bestand hartnäckig auf der Zurück-nahme dieses Erlasses und Alexander ebenso hartnäckig auf derWiedereinsetzung des Herzogs von Oldenburg. Zugleich machtenbeide Kaiser nicht nur die großartigsten Rüstungen für einen Krieg,sondern sie suchten auch, der eine durch Drängen und Drohen, derandere durch Versprechungen und Vorstellungen, Schweden für sichzu gewinnen. Es gelang dem russischen Kaiser bald, die Regierungdieses Staates insgeheim auf seine Seite zu ziehen. Zu gleicherZeit verständigte er sich auch mit den Engländern. Er konnte daherschon 1811, im Vertrauen auf Schweden's Freundschaft und aufeinen durch England zu vermittelnden Frieden mit der Türkei, einenTheil der Truppen, die er in Finnland und an der Donau zusam-mengezogen hatte, nach Polen aufbrechen lassen. Im März 1811hatte sich Napoleon wieder zu einer jener beleidigenden Anredenhinreißen lassen, die ihm, wenn er in Zorn gerieth, so leicht ent-schlüpften. Als ihm nämlich am 20. März 1811 ein Sohn ge-boren worden war, dem er den Titel König von Rom ertheilte,überbrachte ihm am 24. März eine Deputation die Glückwünsche desfranzösischen Handelsstandes, und bei dieser Gelegenheit ließ er sich mitden heftigsten Worten über sein Verhältniß zu Rußland aus. Er drohtemit einem Marsche nach Petersburg und Moskau, prahlte mit den