Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Geschichte der neuere» Zeit.

waltung des Landes Leuten übertrug, welche durch Grobheit undWillkür die Eingeborenen beleidigten. In den übrigen alt-polnischenProvinzen trugen die Östreicher, sobald sie auf dem russischen Feld-zuge in dieselben eingerückt waren, dafür Sorge, daß keine natio-nalen Demonstrationen und Bewegungen aufkommen konnten.

Mit Rußland hatte Napoleon, welcher bis zum letzten Augen-blicke einen völligen Bruch zu vermeiden suchte, den diplomatischenVerkehr sogar dann noch fortgesetzt, als bereits sein Kriegsplan ent-worfen und alle Anstalten zum Kriege getroffen waren. Er hatteEnde Februar 1812 durch Tschernitschew an Alexander einenBrief geschickt, welcher aufrichtige Vorschläge zur Aussöhnung zu ent-halten schien. Erst im April erfolgte von Seiten Rußland's eineAntwort, und diese enthielt Forderungen, welche wie eine Kriegs-erklärung aussahen. Dessenungeachtet hielt Napoleon für rathsam,die Miene anzunehmen, als wenn er eine Aussöhnung noch fürmöglich halte. Er schickte daher im April den geschmeidigen GrafenNarbonne, welcher in den ersten Monaten des Jahres 1792 aufEmpfehlung der Frau von Staöl Ludwig's XVI. Kriegs-Ministergewesen war, nach Rußland, nachdem er schon vor dem Eintreffender erwähnten russischen Forderungen dem englischen Ministeriumdurch Maret Friedensanerbietungen hatte machen lassen. Dem einendieser beiden Schritte Napoleon's lag wahrscheinlich nur die doppelteAbsicht zu Grunde, Verständnisse anzuknüpfen und den Kaiser Alexanderin eine solche Stimmung zu versetzen, daß man ihn wie früher denKaiser Franz nach dem Verluste einer Schlacht bewegen könne, aufeinen Vertrag einzugehen. Der zweite Schritt hatte aber ganz ge-wiß keinen anderen Zweck, als den Glauben zu verbreiten, daßEngland allein den allgemeinen Frieden unmöglich mache. Diesgeht aus den dem englischen Ministerium gestellten Vorbedingungenhervor, welche so beschaffen waren, daß Napoleon fest überzeugt seinkonnte, die Engländer würden, was auch geschah, sein Anerbietensogleich ablehnen. Narbonne war beauftragt, Gegenvorschläge zuüberbringen und die Friedensanerbietungen, welche Napoleon denEngländern gemacht habe, mitzutheilen. Kaiser Alexander ließ sichjedoch auf keine Unterhandlung ein, sondern beharrte fest bei denForderungen, die er früher als Ultimatum in Paris hatte überreichenlassen. Napoleon beauftragte hierauf den General Lauriston, der