Frankreich und Rußland. Krieg im Sommer 1818. 381
war eine mit Blut getränkte Brandstätte, und sechshundert Fran-zosen hatten zugleich mit zweihundert gefangenen Russen vier Tagelang zu thun, bis alle Leichen in und vor der Stadt weggeschafftwaren. Man behauptet, es seien von beiden Seiten zusammen mehrals zwanzigtausend Mann geblieben. Zwei Tage nach der Schlachtbei Smolensk kam es bei Valutina Gora aufs neue zu einemTreffen, weil Ney einem Theile des russischen Heeres den Wegnach Moskau verlegen wollte. In diesem Treffen erhielten dieRussen stets neue Verstärkungen, die Franzosen dagegen wurden vonihren in der Nähe befindlichen Landsleuten im Stich gelassen, weilJünot, welcher im nächsten Jahre wahnsinnig ward und schondamals zuweilen irre gewesen sein soll, ohne ausdrückliche Ordrenicht vorrücken wollte, und Napoleon, der die Umstände nicht genaukannte, diese Ordre nicht ertheilte. Ney konnte daher seinen Zwecknicht erreichen. In Smolensk schwankte Napoleon eine Zeitlang, ober bei der späten Jahreszeit weiter ziehen solle; er entschied sichaber doch dazu, weil er wußte, daß die über die Verwüstung ihresLandes erbitterten Großen ihren halbdeutschen Ober-Befehlshabervvm Cvmmando zu verdrängen suchten,- und daß deshalb dieser seinVertheidigungs-System werde aufgeben und eine Hauptschlachtliefern müssen. Am 24. August brach Napoleon von Smolens auf.
Gerade zu derselben Zeit gelang es den Gegnern Barclay's, zudenen auch die beiden Kaiserinnen und der Großfürst Constantingehörten, den Kaiser Alexander dahin zu bringen, daß er am29. August gegen seine Überzeugung die Leitung des Krieges demfünfundsicbenzigsährigen Kutusow übertrug, welcher von den Russenals ein Nationalheld angesehen wurde. Barclay war patriotischgenug, unter Kutusow Dienste zu nehmen, weil er noch immer aufden Kaiser rechnete, welcher seine Ansichten theilte, und nur mitgroßem Widerstreben dein Andringen des Hofes nachgegeben hatte.Auch die in Rußland anwesenden Deutschen, ein Stein, Clause-witz, Hofmann, Pfuel und Andere, boten damals alle ihre Kräftefür Rußland auf, obgleich man sie wegen ihres auf die VerödungRußland's gegründeten Kriegsplanes haßte. Sie regten ihre Lands-leute auf, unterhielten Verbindungen mit den Preußen vor Riga,und fochten zum Theil selbst im russischen Heere mit. Andererseitsbrachten auch ihre Gegner unter den russischen Großen bedeutende