Band 
[Achtzehnter und neunzehnter Band.]
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Frankreich. Malet's Jnsurrections-Versuch. 315

gab, ein bereit gehaltenes Pferd, ritt mit Rateau, welcher die Ad-jutanten-Uniform trug, in die Kaserne einer Cohorte der National-garde, und ließ dort die falschen Documente vorlesen. Diese fandenGlauben, und Malet führte hierauf einen Theil der Cohorte nachdem Gefängnisse La Force, um die Generale Guidal und Lahoriezu befreien. Beide wußten von dem Plane nicht das Geringste, undwaren daher über ihre Befreiung und über die ihnen zugestelltenErnennungs-Decrete sehr erstaunt. Auch sie schenkten jedoch den An-gaben Malet's Glauben« Außer ihnen wurden noch einige andereOfficiere und der Korse Boccheciampe in Freiheit gesetzt. DieErsteren kehrten alsbald freiwillig ins Gefängniß zurück; der Letztereaber gab sich dazu her, als Präfect des Seine-Departements aufzu-treten. Von dem Gefängnisse La Force schickte Malet dem Obersteneines Infanterie-Regiments der Pariser Garde, Rab b e, den schrift-lichen Befehl zu, das Senats-Gebäude, den Schatz, die Bank unddie äußeren Thore der Stadt besetzen zu lassen; und so sehr warjedermann gewohnt, blindlings zu gehorchen, daß Rabbe die erhal-tene Ordre ohne irgend eine Prüfung derselben augenblicklich aus-führte. Mittlerweile verhafteten Lahorie und Guidal den Polizei-Minister Savary und den Polizei-Präfecten Pasquier, ließenBeide ins Gefängniß abführen, und übernahmen deren Ämter. DerPräfect des Seine-Departements, Frochot, ließ sich durch die fal-schen Documente sogar bis zu dem Grade täuschen, daß er im Stadt-hause Alles für die Sitzungen der provisorischen Regierung zurechtmachte. Malet hatte sich unterdessen auf den Vendome-Platz be-geben, um den Stadt-Commandanten Hülin zu verhaften. Dortscheiterte aber das tolle Unternehmen an einem zufälligen Umstände.Als nämlich Hülin, welcher den Haftbefehl zu sehen verlangt hatte,dafür von Malet durch einen Pistolen-Schuß verwundet wordenwar, erkannten ein in der Commandantur anwesender Polizei-Beamterund der Bataillons-Chef Laborde, welcher die Militär-Polizei be-sorgte, ihren alten Arrestanten Malet. Laborde fiel hierauf zugleichmit dem Chef des General-Stabs Doucot über denselben her,und nahm ihn gefangen. Dasselbe Schicksal hatten unmittelbardarauf die Generale Lahorie und Guidal. Auf solche Weise gingum neun Uhr Morgens die ganze Sache gleich einem Possenspielezu Ende. Übrigens waren, als Malet verhaftet wurde, bereits auch